Überforderung im Beruf und Privatleben, Ängste, Einsamkeit…: Die Ursachen von chronischem Stress sind vielfältig und auch die persönliche Anfälligkeit ist bekanntlich sehr unterschiedlich. Betroffene leiden dabei in komplexer Weise: Sie verlieren nicht nur an Lebensqualität, sondern müssen auch mit gesundheitlichen Folgen rechnen. Denn Dauerstress kann zu psychologischen Störungen wie Burnout und Depressionen führen sowie das Risiko für verschiedene körperliche Erkrankungen deutlich erhöhen, zeigen Studien. Möglichkeiten zur Linderung der Stressbelastung sind deshalb gefragt. Die Auslöser zu beseitigen, ist dabei nicht immer möglich – aber von innen heraus lässt sich etwas bewirken, heißt es: Als altbewährte Verfahren dazu gelten mentale Trainings – verschiedene Meditations- und Verhaltensübungen, durch die kognitive und soziale Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl gestärkt werden.
Objektives Nachweisverfahren
Neben den persönlichen Erfahrungen konnten Studien bereits belegen, dass sich Menschen nach einem typischen achtwöchigen Trainingsprogramm weniger gestresst fühlen. Doch bisher waren die Nachweise dabei eher subjektiv: Die Studienteilnehmer bewerteten meist ihr Stressniveau im Anschluss an das Training mithilfe von Fragebögen. Dabei kann es durch Faktoren wie soziale Erwünschtheit und Placebo-Effekte zu Verzerrungen kommen, erklären die Forscher um Lara Puhlmann vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig (MPI CBS). „Die Teilnehmer wissen, dass sie das ‚Gegenmittel‘ zu sich nehmen, was sich auf ihre Wahrnehmung auswirken kann. In der Achtsamkeitsforschung nutzen wir daher zunehmend objektivere, also physiologische Methoden, um die stressreduzierende Wirkung präziser messen zu können“, sagt Puhlmann.
Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler nun die Konzentration von Cortisol im Haar als Messgröße für die Belastung durch anhaltenden Stress genutzt. Dieses Hormon mobilisiert Energie, um Herausforderungen zu bewältigen, kann sich aber auf Dauer ungünstig auswirken. Je länger der Stress anhält, umso länger zirkulieren große Mengen Cortisol im Körper – und desto mehr sammelt es sich dann auch in Haarstrukturen an. Um das Stressniveau der Studienteilnehmer während eines neunmonatigen Trainings zu messen, analysierten die Forscher die Cortisol-Menge alle drei Monate jeweils in den ersten drei Haar-Zentimetern. Das Trainingsprogramm bestand dabei aus westlichen und fernöstlichen Konzepten der mentalen Übung. Drei Gruppen von jeweils rund 80 Teilnehmern absolvierten die Trainingsmodule in unterschiedlicher Reihenfolge. Trainiert wurde für bis zu neun Monate, 30 Minuten täglich, sechs Tage die Woche.





