Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel, erst sie hat die rasante Entwicklung unserer Kultur und Technologie ermöglicht. Trotz dieser Bedeutung ist jedoch weitgehend unklar, wie sich die weltweite Sprachenvielfalt vor Erfindung der Schrift entwickelt hat. In vielen Regionen ist die linguistische Geschichte zudem noch kaum erforscht. Klar scheint nur: Heutige Sprachen sind Überlebende. Denn Linguisten gehen davon aus, dass mit der Ausbreitung großer „Weltsprachen“ wie Englisch, Spanisch, Mandarin, Arabisch und Hindi viele kleinere Sprachen verschwanden.
Dieser Sprachenschwund hält auch heute noch an: „Die Hälfte der weltweiten Sprachen sind inzwischen bedroht und jedes Jahr sterben rund vier Sprachen aus“, berichten Damian Blasi vom katalanischen Institut für Forschung und fortgeschrittene Studien in Barcelona und seine Kollegen.
Drei Theorien zum Sprachensterben - aber welche stimmt?
Doch wann begann das große Sprachensterben? Bisher gibt es dazu drei verschiedene Theorien. Der ersten zufolge schwindet die linguistische Vielfalt schon seit Ende der Eiszeit und spätestens seit Beginn der Jungsteinzeit stetig. Die zweite Theorie besagt dagegen, dass erst das Aufkommen der ersten Hochkulturen vor rund 4000 Jahren und ihre Expansion den Sprachenverlust beschleunigt. Und ein drittes Szenario postuliert einen rasanten Sprachenverlust erst seit Beginn der modernen Kolonialisierung vor rund 500 Jahren.
Welches Szenario stimmt? Um das herauszufinden, haben Blasi und sein Team soziodemografische und linguistische Computersimulationen mit ethnografischen Daten kombiniert. Letztere stammten von 171 Naturvölkern, die noch sehr ursprünglich als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen leben. Ihre Lebensweise ähnelt damit noch stark der unserer Vorfahren vor tausenden von Jahren. Diese Informationen kombinierten die Forschenden mit Daten zur Bevölkerungsentwicklung und kulturellen Veränderungen, um daraus die Entwicklung der Sprachen in den letzten 12.000 Jahren zu rekonstruieren.

Von den rund 7400 heute noch gesprochenen Sprachen sind viele bedroht, wie diese Weltkarte der gefährdeten Sprachen zeigt. — © Claire Bowern mit QGIS von Daten aus Glottolog.org 5.3





