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Wie Musik Stress lindert
Gesellschaft & Psychologie

Wie Musik Stress lindert

Musik kann uns helfen, Stress abzubauen. Eine Studie zeigt nun, warum sie dabei wirksamer ist als Naturgeräusche. · Foto: © aelitta/ iStock

Wenn wir nach einem anstrengenden Tag unseren Lieblingssong hören, fühlen wir uns oft direkt etwas besser. Aber wie genau trägt Musik zu unserer Entspannung bei? Eine Studie zeigt nun, dass der auditorische Kortex in unserem Gehirn direkt mit stressregulierenden Hirnregionen verbunden ist. Die Ergebnisse erklären auch, warum Musik besser gegen Stress hilft als beispielsweise Naturgeräusche.
Autor
Elena Bernard
11. September 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Gesellschaft & Psychologie

Musik macht gute Laune, weckt Emotionen und animiert uns dazu, uns im Takt zu bewegen. Egal in welchem Kulturkreis: Durch die Abfolge von Tönen und Akkorden bauen Musikstücke Spannung auf, die sie anschließend wieder auflösen. Besonders erfolgreich sind Kompositionen, die genau das richtige Verhältnis zwischen Überraschung und Erwartung treffen. Bereits frühere Studien haben gezeigt, dass musikalische Klänge einen direkten Draht zu unserem Belohnungssystem haben. Auch zur Entspannung kommt Musik oft zum Einsatz. „Bislang war aber unklar, ob Musik einzigartige neurobiologische Vorteile bietet oder lediglich als allgemeiner, entspannender akustischer Reiz wirkt“, erklärt ein Team um Siqi You von der Chinesische Akademie der Wissenschaften in Peking.

Entspannungsmusik und Naturgeräusche im Vergleich

Um den neurobiologischen Mechanismen auf die Spur zu kommen, dank derer Musik die Entspannung fördert, haben You und ihre Kollegen Testpersonen zunächst gezielt unter Stress gesetzt, indem sie sie unter Zeitdruck Kopfrechenaufgaben lösen ließen. Anschließend spielten sie ihnen entweder Entspannungsmusik vor, oder ruhige Naturgeräusche wie Meeresrauschen oder einen Wasserfall. Währenddessen maßen die Forschenden verschiedene Stressmarker der Freiwilligen, darunter die Herzfrequenz sowie den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Speichel. Zudem befragten sie sie wiederholt zu ihrer Stimmung. Bei einigen der Probanden beobachtete das Forschungsteam zudem mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) die Gehirnaktivität.

Das Ergebnis: Hörten die Probanden Entspannungsmusik, normalisierten sich ihre Herzfrequenz und ihre Cortisolwerte nach der stressauslösenden Aufgabe deutlich schneller als bei denjenigen, die stattdessen Naturgeräusche hörten. Auch ihre Stimmung, die zuvor durchs Kopfrechnen beeinträchtigt worden war, besserte sich mit Entspannungsmusik schneller als mit Wasserrauschen. „Musik fördert also die multisystemische Erholung von akutem Stress und übertrifft dabei deutlich die Kontrollgruppe mit Naturgeräuschen“, berichten die Forschenden.

Was Musik einzigartig macht

Die MRT-Daten enthüllten, was die Musik gegenüber Naturgeräuschen so besonders macht: „Musik entfaltet sich als dynamische zeitliche Struktur, die durch den Aufbau von Spannung und die anschließende Auflösung gekennzeichnet ist“, erklären You und ihr Team. Genau dieser Wechsel zwischen Spannung und Entspannung spiegelt sich auch im Gehirn. „Die emotionale Dynamik der Musik – insbesondere der strukturelle Aufbau und die Auflösung von Spannung – reorganisiert aktiv die Kommunikation zwischen den Zentren der auditiven Verarbeitung und den zentralen Netzwerken der Stressregulation“, beschreiben die Forschenden. Hirnregionen wie die Insula und der Thalamus, in denen sich typische Stressreaktionen zeigen, werden dadurch neu ausgerichtet. Je stärker die Verknüpfung dieser Hirnregionen mit dem auditorischen Kortex war, desto deutlicher profitierten die Testpersonen von der stresslindernden Wirkung der Musik.

„Damit ist Musik weit mehr als einfach nur eine Ablenkung“, folgern die Forschenden. „Diese Ergebnisse liefern eine konkrete, mechanistische Erklärung für die therapeutische Kraft der Musik und etablieren sie als ein neurobiologisch fundiertes Instrument zur multisystemischen Erholung und zur Förderung der psychischen Resilienz.“

Quelle: Siqi You (Chinese Academy of Sciences, Peking, China) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2611584123

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