Zuckerhaltige Getränke tragen dazu bei, dass weltweit mehr und mehr Menschen an Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen leiden. Viele Länder haben deshalb bereits eine Zuckersteuer eingeführt. Auch in Deutschland gibt es dazu aktuell politische Diskussionen. Eine weniger gesundheitsschädliche Alternative könnten Zero-Limonaden sein, die statt Zucker kalorienfreie oder kalorienarme Süßstoffe nutzen. Doch auch wenn diese im Vergleich zu Zucker die bessere Wahl darstellen, haben sie einen schlechten Ruf. So stehen sie im Verdacht, das Hungergefühl zu fördern und dadurch Abnehmbemühungen zu torpedieren.
Wasser und Zero-Limonaden im Vergleich
Wie wirken sich Zero-Softdrinks tatsächlich auf den Abnehmerfolg aus? Dieser Frage ist ein Team um Joanne Harrold von der University of Liverpool in Großbritannien in einer zweijährigen Studie mit fast 500 Teilnehmenden nachgegangen. Finanziert wurde die Studie von der American Beverage Association, einer Lobbyorganisation der amerikanischen Getränkeindustrie. Die Organisation stellte alle in der Studie verwendeten Getränke zur Verfügung, ließ den Forschenden bei der Durchführung und Auswertung der Studie aber eigenen Angaben zufolge freie Hand.
Im Rahmen der Studie wurden übergewichtige Freiwilligen zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen bekamen täglich zwei kostenlose 330-ml-Portionen von zuckerfreien Softdrinks ihrer Wahl, die anderen stattdessen Wasser. Personen aus der Wasser-Gruppe wurden angewiesen, während der Versuchslaufzeit keine Zero-Getränke zu konsumieren. Alle Teilnehmenden durchliefen zudem ein dreimonatiges strukturiertes Abnehmprogramm, gefolgt von einer begleiteten und einer unbegleiteten Phase der Gewichtsstabilisierung.
Kaum Unterschiede zwischen den Gruppen
Das Ergebnis: Nach zwei Jahren gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Teilnehmenden beider Gruppen, sie hatten also ähnlich viel Gewicht verloren. Testpersonen aus der Wassergruppe wogen durchschnittlich 3,7 Kilogramm weniger als zuvor, Personen aus der Zero-Limonaden-Gruppe 4,8 Kilogramm weniger. Bei beiden Gruppen reduzierten sich Taillen- und Hüftumfang in ähnlichem Maße. Auch der Zuckerkonsum sank in beiden Gruppen ähnlich stark.
Kleine Unterschiede stellten die Forschenden bei einzelnen Stoffwechselparametern fest: Während der Cholesterinspiegel bei der Wassergruppe leicht sank, stieg er bei der Softdrinkgruppe leicht an. In der Wassergruppe reduzierten sich zudem der Langzeitblutzuckerwert sowie der Blutdruck. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren zwar statistisch signifikant, aber so klein, dass sie den Forschenden zufolge klinisch nicht relevant sind.
Süßstoffe besser als ihr Ruf
Zusätzlich befragten Harrold und ihr Team die Teilnehmenden zu ihrem Hungergefühl. Beide Gruppen gaben gegenüber der Zeit vor dem Abnehmprogramm eine leichte Steigerung an, die Softdrinkgruppe etwas stärker als die Wassergruppe. Doch der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Bedenken, Süßstoffe könnten den Appetit stören oder zu einer Gewichtszunahme führen, sich bei einer strengen, langfristigen randomisierten Studie nicht bestätigen“, sagt Harrold.
Aktuelle Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen Menschen, die ihr Gewicht reduzieren möchten, lieber ganz auf Softdrinks zu verzichten, auch auf zuckerfreie Varianten. Die Forschenden hoffen, mit ihrer Studie dazu beizutragen, dass Zero-Softdrinks als abnehmfreundliche Wahl anerkannt werden. „Diese Studie liefert langfristige klinische Belege, die in internationalen Diskussionen bisher gefehlt haben“, sagt Harrolds Kollege Jason Halford. „Für Menschen, die versuchen, ihr Gewicht zu kontrollieren, bieten mit kalorienfreien Süßstoffen gesüßte Getränke eine wirksame Alternative zu zuckergesüßten Getränken.“
Quelle: Joanne Harrold (University of Liverpool, UK) et al., British Journal Of Nutrition, doi: 10.1017/S0007114526108150





