Unter- und Übergewicht sind zwei Formen der Fehlernährung, die beide mit ausgeprägten negativen Folgen für die Gesundheit verbunden sind. Eines der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 festgelegt haben, ist daher, alle Formen von Fehlernährung zu bekämpfen. Grundlage für wirksame Maßnahmen sind Informationen darüber, in welchen Bereichen besonderer Handlungsbedarf besteht. Eine aktuelle, weltweite Analyse zu diesem Thema fehlte allerdings bislang.
Daten aus 200 Ländern weltweit
In Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein internationales Forschungskonsortium nun erhoben, wie sich der Ernährungszustand der Weltbevölkerung seit 1990 entwickelt hat. Dazu werteten die Forschenden 3663 bevölkerungsrepräsentative Studien aus 200 Ländern und Regionen der Welt aus, die insgesamt 222 Millionen Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren umfassten. Je nachdem, wie viele Studien das Team aus den jeweiligen Ländern fand, sind die Ergebnisse teils mit deutlicher Unsicherheit behaftet.
Insgesamt zeigt sich aber, dass sich Übergewicht zur weltweit wichtigsten Form der Fehlernährung entwickelt hat. Während zu Beginn der 1990er Jahre gerade in Ländern mit niedrigem Einkommen Unterernährung das größere Problem war, hat sich das Bild inzwischen gewandelt. In Ländern wie Polynesien und Mikronesien, in der Karibik sowie im Nahen Osten und Nordafrika sind die Adipositasraten inzwischen höher als in vielen europäischen Industrieländern. Polynesien und Mikronesien führen sogar die Liste der Länder mit dem größten Anteil übergewichtiger Menschen an: Mehr als 60 Prozent der Erwachsenen ist hier adipös. Zeitgleich ist der Anteil der unterernährten Menschen weltweit deutlich zurückgegangen.
Mehr Übergewichtige als Untergewichtige
Bei erwachsenen Frauen hat sich der Anteil der Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30 kg/m2 zwischen 1990 und 2022 mehr als verdoppelt, von 8,8 Prozent auf 18,5 Prozent, bei Männern von 4,8 Prozent auf 14 Prozent fast verdreifacht. Demgegenüber hat sich der Anteil der Untergewichtigen mehr als halbiert, bei Frauen von 14,5 Prozent auf 7 Prozent, bei Männern von 13,7 Prozent auf 6,2 Prozent. Verbreitet ist Untergewicht nach wie vor in vielen afrikanischen und südostasiatischen Ländern, vor allem in Eritrea, Äthiopien und Osttimor. In Bangladesch dagegen, wo 1990 noch jede zweite Frau untergewichtig war, wiegt heute nur noch etwa jede achte zu wenig, während fast ebenso viele übergewichtig sind. In Deutschland ist den Daten zufolge rund jeder fünfte Erwachsene fettleibig, während Untergewicht kaum eine Rolle spielt.
Auch bei Kindern beobachten die Forschenden einen ähnlichen Trend. Waren 1990 nur 1,7 Prozent der Mädchen und 2,1 Prozent der Jungen stark übergewichtig, hat sich der Anteil bis 2022 auf 6,9 Prozent bei Mädchen und 9,3 Prozent bei Jungen etwa vervierfacht. Zeitgleich ging der Anteil der untergewichtigen Mädchen von 10,3 Prozent auf 8,2 Prozent zurück, bei den Jungen von 16,7 Prozent auf 10,8 Prozent. Die Länder mit den höchsten Anteilen untergewichtiger Kinder waren Indien, Sri Lanka und Niger. Die höchsten Adipositasraten verzeichnet die Analyse auf den Cook-Inseln und dem südpazifischen Inselstaat Niue, wo mehr als 30 Prozent der Kinder stark übergewichtig sind.





