Sportliche Aktivität wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus: Wer sich regelmäßig bewegt, reduziert sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar bestimmte Arten von Krebs. Auch die geistige Leistungsfähigkeit und die Stimmung profitieren. Doch viele Erwachsene nehmen sich im Alltag kaum Zeit für längere Sporteinheiten. Gefragt sind deshalb Trainingsformen, die möglichst wenig Zeit beanspruchen und zugleich möglichst viel nützen.
Bis an die Belastungsgrenze
„Sogenanntes Sprint-Intervall-Training hat an Beliebtheit gewonnen, weil es nur wenige Minuten Gesamtbelastungszeit erfordert und dennoch ausgeprägte Anpassungen im ganzen Körper hervorruft“, schreibt ein Team um Luke Olsen von der Rockefeller University in New York. Diese Form des Trainings basiert darauf, für jeweils etwa 30 Sekunden bis an die eigene Belastungsgrenze zu gehen – beispielsweise durch Sprints beim Laufen oder auf dem Fahrrad – und anschließend dem Körper mehrere Minuten Erholung gönnen, bevor die Belastung wiederholt wird.
Aber wie genau wirkt sich das auf den Körper und die Gesundheit aus? Um diese Frage zu klären, ließen die Forschenden zehn junge, aktive Männer sechs 30-sekündige Intensivsprints auf dem Fahrrad absolvieren. Als Vergleichsgruppe dienten neun Probanden, die 90 Minuten lang bei mittlerer Belastung radelten. Vor und direkt nach dem Training sowie drei Stunden später maßen die Forschenden bei allen Freiwilligen die Konzentration zahlreicher Proteine im Blutplasma.
Schnelle Anpassungen im Blutplasma
Das Ergebnis: „Das Sprint-Intervall-Training veränderte das Plasmaproteom deutlich, wobei sich 714 Proteine, also fast ein Viertel aller nachgewiesenen Proteine, unmittelbar nach dem Training veränderten“, berichtet das Team. So schüttete der Körper in Folge des Trainings unter anderem Proteine aus, die am Wachstum von Blutgefäßen, am Gewebeumbau und an der hormonellen Signalübertragung beteiligt sind.
Um herauszufinden, wie sich dieser Proteincocktail im Körper auswirkt, brachten die Forschenden menschliche Muskel- und Fettzellen mit dem direkt nach dem Training entnommenem Blutplasma in Kontakt und untersuchten ihre Genaktivität. Dabei zeigte sich: Die molekularen Signale aus dem Blutplasma sorgten dafür, dass die Zellen zahlreiche Gene hoch- oder runterregulierten und auf diese Weise unter anderem ihren Energiestoffwechsel anpassten. „Das Spannende daran ist, dass bereits wenige Minuten intensiver körperlicher Betätigung eine signifikante molekulare Reaktion auslösen können“, sagt Olsens Kollege Paul Cohen.
Booster für Herz und Kreislauf
Zusätzlich verglich das Forschungsteam die nach dem Training vermehrt ausgeschütteten Proteine mit Gesundheitsdaten von mehr als 53.000 Menschen aus der UK-Biobank. Viele der nach dem kurzen Intervalltraining freigesetzten Proteine sind demnach mit einer guten Herz-Kreislauf-Gesundheit verbunden sowie mit einem geringeren Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen.
Um auszuschließen, dass die deutlichen Veränderungen im Blutbild nur eine Reaktion auf eine außergewöhnliche, ungewohnte Anstrengung sind, ließen die Forschenden einen Teil ihrer Testpersonen acht Wochen lang regelmäßig trainieren. Doch auch bei den trainierten Freiwilligen blieb die Proteinfreisetzung nach dem Sprint-Intervall-Training auf einem ähnlichen Niveau. „Diese Daten deuten darauf hin, dass viele akute Veränderungen im Plasmaproteom nicht ausschließlich bei untrainierten Personen auftreten, sondern vielmehr die relative Trainingsintensität widerspiegeln, unabhängig vom Trainingsstatus“, folgern die Forschenden.
Vorteile für den gesamten Körper – aber für jeden?
Bei den Probanden dagegen, die statt des Intensivprogramms 90 Minuten bei mittlerer Anstrengung Fahrrad fuhren, änderte sich die Proteinzusammensetzung im Blutplasma unmittelbar nach dem Training kaum. Erst bei der Messung nach drei Stunden zeigte sich eine erhöhte Konzentration von 19 Proteinen, die mit der Anpassung an Ausdauertraining in Verbindung gebracht werden. Die Effekte waren aber wesentlich geringer ausgeprägt als nach dem Sprint-Intervall-Training.
„Diese Daten erklären, wie Sprint-Intervall-Training robuste metabolische Signalwege aktiviert und Vorteile für den gesamten Körper auslöst – und das, obwohl es nur einen Bruchteil der Zeit von moderatem Training erfordert“, schreiben die Forschenden. Einschränkend weisen sie allerdings darauf hin, dass sie Auswirkungen dieser Trainingsform nur an einer kleinen Gruppe junger, gesunder Männer getestet haben. Ob sie für andere Personengruppen ähnlich vorteilhaft ist, ist noch offen.
Quelle: Luke Olsen (The Rockefeller University, New York, USA) et al., Cell Reports Medicine, doi: 10.1016/j.xcrm.2026.102988





