Sport ist gut für die Gesundheit. Er bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung, stärkt das Immunsystem und kann sogar das Risiko für bestimmte Arten von Krebs verringern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, sich pro Woche 75 bis 150 Minuten intensiv oder 150 bis 300 Minuten moderat körperlich zu betätigen. Doch viele Erwachsene verbringen den größten Teil ihres Tages sitzend und haben nicht die Zeit oder Motivation, in ihrer Freizeit Sport zu treiben.
Alltägliche Bewegung gemessen
„Trotz des großen Gesundheitspotenzials treiben die meisten Erwachsenen über 40 Jahren keinen Sport“, schreibt ein Team um Emmanuel Stamatakis von der University of Sydney in Australien. Doch sind es tatsächlich nur länger andauernde, bewusste Sporteinheiten, die unserer Gesundheit zuträglich sind? „Unser bisheriges Wissen über den gesundheitlichen Nutzen intensiver körperlicher Betätigung stammt aus fragebogengestützten Studien, aber Fragebögen können keine kurzen Bewegungseinheiten beliebiger Intensität messen“, erklärt Stamatakis.
Um herauszufinden, welche Rolle kleine alltägliche Aktivitätsphasen spielen, die vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommene werden, nutzten Stamatakis und sein Team Daten der UK Biobank, einer großen biomedizinischen Datenbank mit Gesundheitsdaten von mehr als einer halben Million Menschen. Zwischen 2013 und 2015 trugen über 100.000 Teilnehmer der UK Biobank für eine Woche ein kleines Gerät am Handgelenk, dass ihre Bewegungen aufzeichnete und so die körperliche Aktivität erfasste – nicht nur größere Sporteinheiten, sondern auch sogenannte „kräftige, intermittierende körperliche Aktivität im Alltag“ (englisch „vigorous intermittent lifestyle physical activity“, kurz VILPA). Dabei handelt es sich um kurze Phasen anstrengender körperlicher Betätigung, die meist weniger als ein oder zwei Minuten dauern.
Verringertes Sterberisiko
„Die Fähigkeit der tragbaren Technologie, Mikromuster körperlicher Aktivität wie VILPA aufzudecken, birgt ein enormes Potenzial für das Verständnis der vielleicht praktikabelsten und zeitsparendsten Möglichkeiten, wie Menschen von körperlicher Aktivität profitieren können, unabhängig davon, ob sie in der Freizeit oder im Alltag ausgeübt wird“, sagt Stamatakis. In die Analyse schlossen die Forscher nur Personen ein, die angaben, keinen Sport zu treiben und nicht mehr als einen Spaziergang pro Woche zu machen. Insgesamt analysierten die Forscher Daten von 25.241 Personen, von denen 852 zwei bis sieben Jahre nach der Messung an verschiedenen Ursachen verstarben. Aus diesen Daten berechneten Stamatakis und sein Team das Sterberisiko in Abhängigkeit von körperlichen Bewegungen im Alltag. Neben der Gesamtsterblichkeit betrachteten sie gesondert das Risiko, an Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben.





