Jedes Jahr infizieren sich weltweit mehr als 120.000 Neugeborene mit dem Immunschwächevirus HIV. Bei einer unbehandelten HIV-Infektion der Mutter kann die Übertragung während der Geburt durch Blut und Vaginalsekret erfolgen. Einmal im Körper, bildet der Aids-Erreger dauerhafte Reservoire in den Immunzellen. Antiretrovirale Medikamente können zwar die Viruslast im Blut bis unter die Nachweisgrenze senken, müssen jedoch lebenslang eingenommen werden und können die Erkrankung nicht heilen. Auch eine Impfung wird zwar intensiv erforscht, ist bislang jedoch nicht verfügbar.
Heilungsversuche an Affenbabys
Nun hat ein Team um Jonah Sacha von der Oregon Health and Science University in Portland einen neuen Ansatz erprobt, der womöglich dabei helfen könnte, das HI-Virus nach einer Infektion wieder loszuwerden – zumindest, wenn die Behandlung schnell erfolgt. Für ihre Studie infizierten die Forschenden junge Rhesusaffen mit einer Affen-Variante von HIV (SHIV), indem sie ihnen das Virus oral verabreichten. Wenig später war das Virus bei allen infizierten Affen im Blut nachweisbar.
Drei Tage nach der Infektion verabreichte das Team den Affen eines oder mehrere von drei Medikamenten: eine klassische antiretrovirale Therapie; sogenannte breit neutralisierende Antikörper, die gegen verschiedene Varianten des Virus wirken und auch im Zusammenhang mit möglichen HIV-Impfungen diskutiert werden; sowie einen experimentellen monoklonalen Antikörper namens Leronlimab, der den Rezeptor CCR5 auf den Immunzellen blockiert und damit eine Eintrittspforte für HIV verschließt.
Wirksame Dreier-Kombination
Wie erwartet war keines der Medikamente allein dazu in der Lage, das HI-Virus wieder aus dem Körper zu beseitigen. Auch Kombinationen aus zwei der drei Medikamente reduzierten zwar die Viruslast, kamen aber nicht gegen die in Immunzellen eingenisteten Erreger an. Wurden die Mittel abgesetzt, konnten sich die Viren erneut vermehren. Doch alle drei Medikamente zusammen entfernten das Virus offenbar komplett. „Überraschenderweise blieben alle acht auf diese Weise behandelten Rhesusaffen während der sechsmonatigen Nachbeobachtungszeit virenfrei“, berichten die Forschenden.





