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Affen-Studie: Lässt sich HIV bei Neugeborenen heilen?
Gesundheit & Medizin

Affen-Studie: Lässt sich HIV bei Neugeborenen heilen?

Unmittelbar nach einer Infektion mit HIV könnte eine Dreifach-Therapie womöglich verhindern, dass sich das Virus im Körper einnistet. · Foto: © vchal/ iStock

Wer sich einmal mit HIV infiziert hat, wird das Virus sein Leben lang nicht mehr los. Das gilt auch für Säuglinge, die sich bei der Geburt anstecken. Doch nun weckt eine Studie an Rhesusaffen Hoffnung: Wurden Affenbabys innerhalb von 72 Stunden nach Infektion mit einer Dreifachtherapie behandelt, konnte das Virus in ihrem Körper kein Reservoir bilden und war nach einigen Monaten vollständig und dauerhaft verschwunden. Studien an Menschen sollen folgen.
Autor
Elena Bernard
12. August 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Jedes Jahr infizieren sich weltweit mehr als 120.000 Neugeborene mit dem Immunschwächevirus HIV. Bei einer unbehandelten HIV-Infektion der Mutter kann die Übertragung während der Geburt durch Blut und Vaginalsekret erfolgen. Einmal im Körper, bildet der Aids-Erreger dauerhafte Reservoire in den Immunzellen. Antiretrovirale Medikamente können zwar die Viruslast im Blut bis unter die Nachweisgrenze senken, müssen jedoch lebenslang eingenommen werden und können die Erkrankung nicht heilen. Auch eine Impfung wird zwar intensiv erforscht, ist bislang jedoch nicht verfügbar.

Heilungsversuche an Affenbabys

Nun hat ein Team um Jonah Sacha von der Oregon Health and Science University in Portland einen neuen Ansatz erprobt, der womöglich dabei helfen könnte, das HI-Virus nach einer Infektion wieder loszuwerden – zumindest, wenn die Behandlung schnell erfolgt. Für ihre Studie infizierten die Forschenden junge Rhesusaffen mit einer Affen-Variante von HIV (SHIV), indem sie ihnen das Virus oral verabreichten. Wenig später war das Virus bei allen infizierten Affen im Blut nachweisbar.

Drei Tage nach der Infektion verabreichte das Team den Affen eines oder mehrere von drei Medikamenten: eine klassische antiretrovirale Therapie; sogenannte breit neutralisierende Antikörper, die gegen verschiedene Varianten des Virus wirken und auch im Zusammenhang mit möglichen HIV-Impfungen diskutiert werden; sowie einen experimentellen monoklonalen Antikörper namens Leronlimab, der den Rezeptor CCR5 auf den Immunzellen blockiert und damit eine Eintrittspforte für HIV verschließt.

Wirksame Dreier-Kombination

Wie erwartet war keines der Medikamente allein dazu in der Lage, das HI-Virus wieder aus dem Körper zu beseitigen. Auch Kombinationen aus zwei der drei Medikamente reduzierten zwar die Viruslast, kamen aber nicht gegen die in Immunzellen eingenisteten Erreger an. Wurden die Mittel abgesetzt, konnten sich die Viren erneut vermehren. Doch alle drei Medikamente zusammen entfernten das Virus offenbar komplett. „Überraschenderweise blieben alle acht auf diese Weise behandelten Rhesusaffen während der sechsmonatigen Nachbeobachtungszeit virenfrei“, berichten die Forschenden.

Obwohl alle acht mit dem Dreier-Cocktail behandelten Tiere unmittelbar nach der Infektion eine hohe Viruslast im Blut hatten, ließen sich nach Absetzen aller Medikamente keine Viren mehr nachweisen – weder im Blut, noch in den Immunzellen. „Diese Daten lassen vermuten, dass die Dreifachtherapie die Bildung eines dauerhaften Virusreservoirs vollständig verhindert hat“, schreiben Sacha und seine Kollegen.

Lässt sich HIV so heilen?

Die Forschenden gehen davon aus, dass die drei Medikamente sich dank ihrer jeweils unterschiedlichen Ansatzpunkte ergänzen: Leronlimab verhindert, dass HI-Viren mithilfe des CCR5-Rezeptors in die Immunzellen eindringen. Zugleich minimiert die antiretrovirale Therapie die Vermehrungsfähigkeit der Viren und reduziert so die Viruslast. Die breit neutralisierenden Antikörper binden an die Hüllproteine der verbleibenden im Blut zirkulierenden Viren und machen sie unschädlich. Gemeinsam sorgen die Therapien dadurch dafür, dass das Virus kein Reservoir bilden kann.

„Diese Ergebnisse legen eine Strategie für eine frühzeitige Behandlung nahe, die möglicherweise zu einer funktionellen oder vollständigen Heilung führen kann“, so die Forschenden. Wie sie berichten, haben alle getesteten Affen die Dreifachtherapie gut vertragen und entwickelten sich ebenso gut wie gesunde Artgenossen. „Der nächste Schritt danach besteht darin, zu testen, ob dies auch bei menschlichen Erwachsenen funktioniert, die sich erst kürzlich infiziert haben“, sagt Sacha.

Tests mit Menschen schon bald möglich

Der Forscher ist optimistisch, dass die Dreifachtherapie schon bald in klinischen Studien getestet werden kann. Die eingesetzten breit neutralisierenden Antikörper sowie Leronlimab wurden einzeln bereits erfolgreich an Menschen getestet und weisen ein gutes Sicherheitsprofil auf – sogar für Säuglinge. Antiretrovirale Medikamente sind ohnehin bereits seit langem zugelassen. „Daher lässt sich die hier beschriebene wirksame antivirale Kombination aus CCR5-Blockade und breit neutralisierenden Antikörpern problemlos in klinische Studien zur kurativen Behandlung von HIV bei Kindern übertragen“, schreiben die Forschenden.

Sollte diese Kombinationstherapie auch beim Menschen wirken, wäre dies eine Chance, eine HIV-Infektion zu blockieren, bevor sie sich im Körper ausbreiten und einnisten kann. Für bei der Geburt infizierte Säuglinge, vielleicht auch für frisch infizierte Erwachsene, wäre dies eine Chance auf Heilung.

Quelle: Jonah Sacha (Oregon Health and Science University, Portland, USA) et al., Nature Microbiology, doi: 10.1038/s41564-026-02444-x

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