Ausgezehrt siechten die Betroffenen dahin: Wie ein Schreckgespenst machte die Immunschwäche-Erkrankung Aids in den 80er und 90er Jahren die Runde. Doch dann konnte die moderne Medizin das massenhafte Sterben schließlich beenden – die sogenannte antiretrovirale Therapie erwies sich als großer Segen für HIV-Infizierte: Die tägliche Einnahme von Medikamenten unterdrückt die Entwicklung der Virenpartikel im Körper und schützt dadurch vor dem Ausbruch der Immunschwäche. Die Betroffenen können durch die Behandlung ein normales und gesundes Leben führen und geben die Infektion auch nicht auf sexuellem Wege weiter.
Doch leider bleibt die Infektion trotz der Behandlung chronisch: Die Therapie kann das Virus nicht komplett aus dem Körper vertreiben, denn der Erreger schlummert weiterhin in einigen Zellen. Wenn die Patienten die Medikamente absetzten, machen sich die Viren deshalb wieder im Körper breit. Problematisch sind auch die gesundheitlichen Nebenwirkungen der Therapie und ihr hoher Preis. Zudem zeichnet sich ab, dass eine HIV-Infektion auch im unterdrückten Zustand mit gesundheitlichen Nachteilen verknüpft ist. Kurzum: Die Entwicklung eines endgültigen Heilmittels ist gefragt. Doch das hat sich bisher als eine knifflige Herausforderung erwiesen. Die aktuelle Studie gibt vor diesem Hintergrund nun neue Hoffnung.
HIV lauert weiterhin in Verstecken
Um zu verstehen, was die Forscher herausgefunden haben, ist ein Blick auf die Abläufe bei einer HIV-Infektion hilfreich: Wenn das Virus in den Körper gelangt, vernichtet es genau diejenigen Zellen des Immunsystems, mit denen der Körper es bekämpfen würde: die CD4-T-Zellen. Das Virus schleust sein Erbgut in diese Zellen ein und zwingt sie, weitere Viruspartikel zu produzieren, die dann auf die Reise zu neuen Opfern gehen. Dadurch wird die Körperpolizei zunehmend ausgeschaltet und das Acquired Immune Deficiency Syndrome (Aids) entwickelt sich. Im schlimmsten Fall besitzen Betroffene fast keine T-Zellen mehr und der Körper kann sich dadurch auch gegen simple Infektionen nicht mehr wehren. Diesen Verlauf kann die antiretrovirale Therapie glücklicherweise effektiv verhindern: Sie blockiert die Vermehrung des Erregers und die T-Helferzellen können sich erholen.
Das Virus kehrt allerdings zurück, wenn die antiretrovirale Therapie abgebrochen wird, weil HIV weiterhin in einigen infizierten T-Zellen schlummert. Forscher verfolgen deshalb momentan die Strategie, das Virus in diesen Zellen gezielt „aufzuscheuchen“. “Wir müssen das Virus aktivieren, damit es sich vermehrt, während wir Medikamente verabreichen, die andere Zellen vor Infektionen schützen. Dadurch wird die befallene Zelle für das Immunsystem sichtbar und kann ausgeschaltet werden”, erklärt Co-Autor Hany Zakaria Meås von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim den aktuellen Ansatz bei der Entwicklung von Heilverfahren. Bisher führte aber auch diese Strategie nicht zum Erfolg.





