Wenn wir Sport treiben, trainiert das nicht nur unseren Muskelapparat, sondern auch die Nervenverknüpfungen in unserem Gehirn. Denn der durch die Bewegung erhöhte Blutfluss sorgt dafür, dass im Gehirn mehr Botenstoffe wie Dopamin und Norepinephrin ausgeschüttet werden. Diese Hormone verbessern die kognitiven Fähigkeiten von Menschen in den ersten Minuten und Stunden nach der Bewegung, wie frühere Studien gezeigt haben. Obendrein heben die Botenstoffe die Stimmung für bis zu 24 Stunden. Zudem gibt es Hinweise, dass sich Sport noch auf andere Weise auf das Gehirn auswirkt: Nach sogenanntem High-Intensity Interval Training (HIIT) synchronisiert sich die Aktivität im Hippocampus für 48 Stunden. Dieses Hirnareal ist unter anderem für unser Gedächtnis wichtig. Aber heißt das auch, dass Sport unsere Merkfähigkeiten verbessert?
Bewegung und Schlaf im Alltag beeinflussen die Hirnleistung
Dieser Frage ist nun ein Team um Mikaela Bloomberg vom University College London (UCL) nachgegangen. Dafür werteten die Forschenden acht Tage lang die Daten von Fitness-Armbändern von 76 Testpersonen im Alter zwischen 50 und 83 Jahren aus. Daraus ermittelten sie, wie viel Zeit die Personen in ihrem normalen Alltag mit Sitzen sowie mit leichter, mittlerer oder intensiver Aktivität verbrachten. „Moderate oder starke Aktivität umfasst alles, was die Herzfrequenz in die Höhe treibt – das kann zügiges Gehen sein, Tanzen oder ein paar Treppen steigen. Es muss keine strukturierte Sport-Übung sein“, erklärt Bloomberg. Das Team ermittelte auch, wie viel Zeit die Testpersonen im Leicht- und Tiefschlaf verbringen, was sich dank eines Algorithmus ebenfalls an den Fitness-Trackern ablesen lässt. Zudem testeten sie täglich die geistigen Fähigkeiten der Personen in etablierten Online-Gedächtnistests und verglichen die Resultate mit den Bewegungs- und Schlafdaten.
Es zeigte sich, dass das Arbeitsgedächtnis eines Menschen, das kurzzeitige Informationen wie eine Wegbeschreibung speichert, besser funktioniert, wenn er am Vortag weniger gesessen hat. Hatten sich Personen an einem Tag für ihre Verhältnisse überdurchschnittlich viel und stark bewegt, schnitten sie am Folgetag in den Tests für das Arbeitsgedächtnis und auch das episodische Gedächtnis besser ab als an „normalen“ Tagen. Das episodische Gedächtnis speichert Ereignisse und Erlebnisse und das länger als das Arbeitsgedächtnis. Derselbe Zusammenhang zeigte sich, wenn die Testpersonen in der Nacht vor dem Test mindestens sechs Stunden geschlafen hatten. Dadurch verbesserte sich zusätzlich zum Arbeits- und episodischen Gedächtnis auch die Reaktionsgeschwindigkeit des Gehirns, wie die Tests zeigten. Auch Menschen, die mehr Zeit im erholsameren Tiefschlaf verbrachten, schnitten in den Tests besser ab, allerdings nur für das episodische Gedächtnis.





