Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, maximal zehn Prozent des täglichen Kalorienbedarfs durch Süßes zu decken. Für durchschnittliche Erwachsene entspricht das etwa 50 Gramm Zucker am Tag. In Deutschland allerdings liegt der Konsum im statistischen Mittel fast doppelt so hoch. Einen wichtigen Anteil daran haben Softdrinks. Die WHO schlägt daher vor, durch eine Steuer auf gesüßte Getränke Anreize zu schaffen, den Konsum zu reduzieren. Rund 100 Länder weltweit haben bereits eine solche Steuer eingeführt. In Deutschland dagegen gibt es bislang nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Getränkeindustrie, den Zuckergehalt in Softdrinks zu reduzieren, die bisher kaum Auswirkungen gezeigt hat.
Simulation verschiedener Steuer-Szenarien
Ein Team um Karl Emmert-Fees von der Technischen Universität München hat nun untersucht, was eine Zuckersteuer in Deutschland bewirken könnte. „Dabei haben uns kurz- und längerfristige Auswirkungen gleichermaßen interessiert“, sagt Emmert-Fees Kollege Michael Laxy. „Wir haben deswegen simuliert, wie sich die gängigsten internationalen Besteuerungs-Ansätze im Zeitraum von 2023 bis 2043 auswirken würden.“ Für ihre Simulation erstellten die Forschenden ein Modell, das offizielle Bevölkerungsstatistiken sowie Daten zur individuellen Ernährung, zu Erkrankungen wie Diabetes sowie zu gesundheitlichen Risikofaktoren einbezieht.
Diese Daten kombinierten Emmert-Fees und sein Team mit verschiedenen Varianten der Süßgetränke-Besteuerung. Zum einen simulierten sie eine 20-prozentige Steuer auf Softdrinks. Ein solches Modell wird beispielsweise in Mexiko umgesetzt und soll in erster Linie dazu führen, dass Menschen aufgrund der höheren Preise weniger Softdrinks kaufen und trinken. Zum anderen testeten die Forschenden ein gestaffeltes Steuermodell nach dem Vorbild Großbritanniens. Dort müssen die Hersteller eine Abgabe zahlen, die umso höher ist, je mehr Zucker die Getränke enthalten. In Großbritannien hat die Einführung dieser Steuer dazu geführt, dass viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte reduziert haben.
Bessere Gesundheit und weniger Ausgaben
Das Ergebnis: Bei einer 20-prozentigen Steuer auf zuckerhaltige Getränke würde der Zuckerkonsum von Deutschen zwischen 30 und 90 Jahren um durchschnittlich ein Gramm pro Tag sinken. Dadurch ließen sich bis 2043 mehr als 132.000 Fälle von Typ-2-Diabetes, über 39.000 Herzerkrankungen und rund 1.900 Schlaganfälle verhindern oder herauszögern, wie die Wissenschaftler ermittelten. Auch das Übergewicht in der Bevölkerung würde sich reduzieren. Durch weniger krankheitsbedingte Arbeitsausfälle und geringere Gesundheitskosten ließen sich in diesem Modell im Laufe der 20 Jahre etwa 9,6 Milliarden Euro einsparen, so die Prognose. Noch stärker wäre der Effekt, wenn neben Softdrinks auch Fruchtsäfte höher besteuert würden. In diesem Fall rechnen die Forschenden mit Einsparungen in Höhe von 11,8 Milliarden Euro.





