Wenn Sie diese Zeilen lesen und die Informationen einordnen, leistet Ihr Gehirn Erstaunliches: Noch immer ist weitgehend rätselhaft, wie durch das Zusammenspiel der Neuronen und der Hirnareale komplexe Informationen verarbeitet werden. Grundlegend scheint allerdings klar: Um die Welt zu verstehen, bilden wir geistige Konzepte zu Objekten, Menschen oder Ereignissen. Konzepte wie „Telefon“ bestehen dabei aus sichtbaren Merkmalen, also Form und Farbe, sowie Geräuschen – etwa dem Klingeln. Zum Konzept Telefon gehören allerdings auch Handlungen – also Informationen darüber, wie und warum wir dieses Objekt benutzen.
Lesen wir das Wort “Telefon”, ruft unser Gehirn demnach das entsprechende geistige Konzept ab. Es scheint dabei die Merkmale dieses Objekts zu simulieren. Doch wie? Bislang war unklar, ob jeweils das gesamte Konzept im Gehirn aktiviert wird oder lediglich einzelne Merkmale wie Geräusche oder Handlungen abgerufen werden, die gerade wichtig sind. Konkret: Inwieweit denken wir bei einem Telefon immer an alle seine Merkmale oder nur an den Teil, der gerade benötigt wird? Dieser Frage und weiterführenden Aspekten sind Neurowissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig nachgegangen.
Hirnaktivität mit Konzepten im Kopf
Sie untersuchten dazu 40 Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Dieses bildgebende Verfahren kann verdeutlichen, welche Bereiche bei bestimmten Anforderungen im Gehirn aktiviert werden. Während der Aufnahmen wurden die Studienteilnehmer mit zahlreichen Begriffen konfrontiert. Darunter waren Wörter wie „Telefon“ oder „Gitarre“, die Objekte bezeichnen, die man hören und benutzen kann, aber auch Begriffe wie „Satellit“, die sich weder mit Geräuschen noch mit Handlungen verbinden lassen. In einem Durchgang sollten die Probanden entscheiden, ob ein Begriff für ein hörbares Objekt steht. In einem weiteren, sollten sie dann hingegen beantworten, ob man das jeweilige Objekt benutzen kann. Auf diese Weise waren die Teilnehmer geistig darauf vorgeprägt, den Fokus auf einen der beiden Aspekte zu legen, auch wenn ein Gegenstand beide aufweist.
Die Aufnahmen der Hirnaktivität durch das fMRT bestätigten dabei, dass das geistige Spiegelbild eines Objekts vom Kontext abhängig ist: Waren die Studienteilnehmer beim Aufrufen eines geistigen Konzepts wie „Telefon“ auf den Geräusch-Aspekt vorgeprägt, zeichnete sich ein zerebrales Spiegelbild dieses Begriffs ab, bei dem auditorische Areale in der Großhirnrinde aktiv waren. Stand hingegen der Gebrauch bei Begriffen wie Telefon im Vordergrund, traten sogenannte somatomotorische Areale des Gehirns in Aktion, die auch bei tatsächlich durchgeführten Handlung aktiv wären. Diese Art der geistigen Verarbeitung bezeichnen die Forscher als modalitätsspezifisch.





