Händedruck als Frühwarnsystem
Wie viel ein einfacher Händedruck verrät, zeigt die internationale PURE-Studie. Ein Team um Darryl Leong von der McMaster University im kanadischen Hamilton hat die Griffkraft von fast 140.000 Menschen in 17 Ländern gemessen und die Teilnehmenden rund vier Jahre lang begleitet. Die Auswertung ergab: Pro 5 Kilogramm weniger Griffkraft stieg das Risiko, im Beobachtungszeitraum zu sterben, um 16 Prozent. Auch Herzinfarkte und Schlaganfälle traten bei Schwächeren häufiger auf. Als Prädiktor für die Sterblichkeit schnitt die Griffkraft damit sogar besser ab als der systolische Blutdruck.
Dieser Befund steht keineswegs vereinzelt da. Eine Übersichtsarbeit verknüpft eine schwache Griffkraft mit geringerer Knochendichte, mehr Knochenbrüchen, nachlassender Kognition sowie Komplikationen rund um Krankenhausaufenthalte. Die Arbeit spricht daher von einem „unverzichtbaren Biomarker“ des Älterwerdens. Manche Fachleute empfehlen deshalb, die Griffkraft genauso routinemäßig zu erfassen wie Puls und Blutdruck. In diese Richtung weisen auch einfache Alltagstests wie der 30-Sekunden-Test, der das Sterberisiko im Alter abschätzen hilft.
Muskelqualität im Sinkflug
Der besondere Wert der Muskelkraft als Warnsignal erklärt sich aus ihrem typischen Verlauf im Alter. In der amerikanischen Health-ABC-Studie verloren Menschen zwischen 70 und 79 Jahren je nach Gruppe 2,6 bis 4,1 Prozent ihrer Beinkraft pro Jahr. Das geschah etwa dreimal so schnell, wie die Muskelmasse ihrer Beine schrumpfte. Die Forschenden werteten dies als deutliches Zeichen sinkender „Muskelqualität“. Mindestens ebenso wichtig ist ihre zweite Beobachtung: Wer seine Muskelmasse hielt oder sogar aufbaute, war vor dem Kraftverlust nicht automatisch geschützt.
Kraft und Masse messen eben nicht dasselbe. Europäische Fachgesellschaften haben darauf reagiert und die niedrige Muskelkraft bei der Diagnose der Sarkopenie, des krankhaften Muskelschwunds im Alter, an die erste Stelle gerückt, noch vor die Messung der Muskelmasse. Hinzu kommt, dass inaktive Erwachsene pro Lebensjahrzehnt ohnehin 3 bis 8 Prozent ihrer Muskelmasse verlieren, begleitet von einem sinkenden Grundumsatz. Wie stark wiederholte Diäten zusätzlich an der Muskulatur zehren, zeigt eine Langzeitstudie zum Jojo-Effekt.





