Ob Intervallfasten, Keto-Diät oder FdH: Bei Menschen mit starkem Übergewicht schlagen viele Diäten nicht an oder funktionieren nur vorübergehend. Dazu kommt oft der gefürchtete Jojo-Effekt: Nach der Diät kommen die verlorenen Pfunde wieder zurück, teilweise wiegt man hinterher sogar mehr als zuvor. Ursachen für diese Gewichtschwankungen sind Anpassungen unseres Körpers und Gehirns an die Diät, aber auch Einflüsse der Darmflora und des Epigenoms.
Was sind die Folgen des Jojo-Effekts?
Doch der Jojo-Effekt macht nicht nur den Abnehmerfolg zunichte – er hat auch anhaltende Folgen für unsere Muskulatur. Das haben Adrian Marth von der University of California in San Francisco und seine Kollegen festgestellt, als sie Daten einer Langzeitstudie mit 1433 übergewichtigen Frauen und Männern mittleren Alters ausgewerteten. Neben Körpergewicht und Body-Mass-Index wurden bei den Teilnehmenden auch regelmäßig Muskel- und Fettvolumen im Oberschenkel mittels Magnetresonanztomografie (MRT) gemessen.
Nach vier Jahren zeigte sich, dass die meisten Testpersonen kaum an Gewicht verloren hatten. Einige hatten aber in dieser Zeit wiederholt Gewichtsschwankungen durch den Jojo-Effekt erlebt. Marth und seine Kollegen untersuchten daher, inwieweit der Jojo-Effekt die Fettpolster und Muskeln im Bein über die Jahre hinweg beeinflusst hatte.
Viermal stärkerer Muskelschwund
Es zeigten sich auffallende Unterschiede: Das Fettvolumen im Bein war zwar bei allen Teilnehmenden nahezu gleichgeblieben, nicht aber das Muskelvolumen. Die Testpersonen mit Jojo-Effekt hatten im Laufe von vier Jahren fast viermal so viel Muskulatur im Oberschenkel verloren wie Teilnehmende mit stabilem Gewicht. Konkret betrug der Muskelschwund bei den Jojo-Betroffenen 3,7 Prozent, bei der Vergleichsgruppe dagegen nur 1,03 Prozent, wie die Forschenden ermittelten. Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht oder körperliche Aktivität waren dabei schon berücksichtigt.
„Wenn das Körpergewicht der Menschen schwankte, verloren sie jedes Mal mit dem Fett auch erhebliche Mengen an Muskulatur – und diese kam nicht zurück“, erklärt Seniorautor Thomas Link von der University of California. „Das sagt uns, dass wir noch besser verstehen müssen, wie unser Körper auf Gewichtsverlust reagiert – da geht mehr vor sich als wir an den bloßen Zahlen auf unserer Waage ablesen können.“

Das anfängliche Oberschenkel- Muskelvolumen (oben) dieser Testperson mit Jojo-Effekt hat nach vier Jahren (unten) deutlich abgenommen – um 16 Prozent. Die Farben kennzeichnen unterschiedliche Muskelgruppen. — © Link Lab
Relevant auch für Ozempic, Mounjaro und Co
Relevant sind diese Erkenntnisse auch für Menschen, die Abnehmpräparate wie Wegovy, Ozempic oder Mounjaro nutzen. Diese gelten als besonders effektive Abnehmhelfer, weil sie natürliche Darmhormone wie das Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1) und das glukoseabhängige insulinotrope Peptid (GIP) nachahmen. Die Hormone sorgen dafür, dass der Appetit schwindet, der Blutzucker besser reguliert wird und Nahrung schneller den Darm passiert. Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid setzen an den gleichen Andockstellen in Gehirn, Darm und Bauchspeicheldrüse an.
Das Problem: Sobald man die Abnehmspritzen absetzt, steigt auch das Körpergewicht bei vielen Nutzenden wieder an, wie Studien zeigen. Durch wiederholte Anläufe mit den GLP-1-Präparaten kommt es dann ebenfalls zu einem Jojo-Effekt. Daher könnte der Muskelabbau auch Menschen betreffen, die diese Abnehmpräparate nutzen. Hinzu kommt: Auch ohne den Jojo-Effekt sind Ozempic, Mounjaro und Co dafür bekannt, dass neben dem Fett auch die Muskeln schwinden. Dies könnte sich durch den jetzt identifizierten Effekt noch verstärken.
Wie kann man die Muskeln schützen?
„Es ist daher enorm wichtig zu verstehen, wie wir die Muskeln schützen können, während Menschen abnehmen“, sagt Link. Schon jetzt empfehlen Experten, während einer Diät oder beim Abnehmen mit GLP-1-Wirkstoffen unbedingt Sport zu treiben. Das fördert nicht nur das Abnehmen, sondern bremst auch den Muskelabbau.
„Der Fettabbau ist nur ein Puzzlestück in einem größeren Bild, denn der Gewichtsverlust beeinflusst auch Muskeln, Knochen und andere Komponenten. Wir müssen erforschen, wie diese Puzzleteile zusammenpassen.“ Dies gelte in besonderem Maße für das Abnehmen durch GLP-1-Wirkstoffe.
Quelle: Adrian Marth (University of California, San Francisco) et al., Radiology, 2026; doi: 10.1148/radiol.253988





