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Gemeinsam essen stabilisiert den Blutzucker
Gesundheit & Medizin

Gemeinsam essen stabilisiert den Blutzucker

Zusammen mit einem geliebten Menschen schmeckt das Essen nicht nur besonders gut, es bekommt uns sogar besser. · Foto: © Ugur Karakoc/ iStock

Die Nähe geliebter Personen tut uns nicht nur subjektiv gut – sie hilft auch unserer Gesundheit auf unerwartet direkte Weise. So bleibt der Blutzucker bei einer gemeinsamen Mahlzeit stabiler als beim Essen alleine, zeigt eine Studie. Auch die Regulation der Körpertemperatur und die Erholung von Stress klappen besser, wenn wir einen vertrauten Menschen in unserer Nähe haben. Die positiven Effekte zeigen sich sogar ohne körperliche Berührungen.
Autor
Elena Bernard
28. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Wir Menschen sind soziale Wesen: Einsamkeit kann uns nicht nur psychisch, sondern auch körperlich krank machen. Zahlreiche Studien haben bereits bestätigt, dass soziale Berührungen direkte Auswirkungen auf unseren Körper haben: Schon bei Neugeborenen stabilisiert Kuscheln nach der Geburt zahlreiche Körperfunktionen und auch im Erwachsenenalter kann Berührung heilsam wirken.

Blutzucker reagiert auf Gesellschaft

Ein Team um Monia Masalha von der Hebräischen Universität in Jerusalem ist nun noch einen Schritt weiter gegangen: In mehreren Experimenten haben die Forschenden untersucht, inwieweit schon die Anwesenheit einer geliebten Person Auswirkungen auf unseren Körper hat – auch ohne Berührungen. Als Beispiel wählten sie den Glukosestoffwechsel, also ein Körpersystem, das üblicherweise nicht im Verdacht steht, auf soziale Situationen zu reagieren.

Für ihre Experiment ließen sie 54 Pärchen entweder alleine oder gemeinsam eine vorgegebene Mahlzeit verzehren und überwachten dabei ihren Blutzuckerspiegel. Dabei zeigte sich: Die Regulation des Blutzuckers war im sozialen Kontext effizienter als allein. Obwohl das Essen in beiden Fällen gleich zusammengesetzt war, stieg der Blutzucker bei den gemeinsamen Mahlzeiten langsamer und weniger stark an. „Bei der Blutzuckerregulation geht es also nicht nur darum, was wir essen, sondern auch darum, mit wem wir essen“, sagt Masalhas Kollege Shir Atzil. „Unsere Beziehungen spielen eine aktive biologische Rolle für unser körperliches Wohlbefinden.“

Warme Gefühle

In einem weiteren Experiment bat das Team die Testpersonen, sich fünf Minuten lang in einem zwölf Grad kühlen Raum aufzuhalten. Währenddessen und danach maßen die Forschenden die Veränderung der Hauttemperatur bei ihren Probanden. Auch hier zeigte sich: Hatten diese eine geliebte Person bei sich, fiel ihre Hauttemperatur weniger ab und stieg schneller wieder an, als wenn sie allein waren. Am stärksten war der Effekt, wenn sich die Paare berühren durften, doch er zeigte sich auch ganz ohne Körperkontakt.

Weder die effizientere Regulation des Blutzuckers noch die der Körpertemperatur ließen sich dadurch erklären, dass die Testpersonen in Anwesenheit ihrer Partner einfach weniger gestresst waren. Wie die Forschenden feststellten, waren die Stresslevel mit und ohne Partner ähnlich und korrelierten nicht mit den Versuchsergebnissen.

Um den direkten Einfluss von sozialer Nähe auf die Stressreaktionen bei Kindern und Erwachsenen zu erfassen, führten Masalha und ihre Kollegen zudem zwei weitere Experimente durch, eines mit erwachsenen Paaren, eines mit bis zu 13 Monate alten Säuglingen. Die Forschenden setzten ihre Testpersonen gezielt unter Stress, indem sie den Erwachsenen leichte Elektroschocks versetzten und die Kinder durch ein lautes Geräusch erschreckten. Bei allen stieg dadurch erwartungsgemäß die Hautleitfähigkeit an – ein Zeichen für verstärkte Schweißproduktion durch Stress. War jedoch die Mutter der Kinder oder der Partner der erwachsenen Freiwilligen zugegen, legten sich die Stresssymptome deutlich schneller wieder.

Unsere Körper funktionieren zusammen besser

Zusammengenommen belegen diese Ergebnisse den Forschenden zufolge ein Prinzip namens Soziale Physiologie. „Früher haben wir den Körper als isoliertes System betrachtet, das sich selbst reguliert“, erklärt Atzil. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die menschliche Physiologie von Natur aus sozial ist. Die Nähe zu einem geliebten Menschen senkt den physischen Energieaufwand, den der Körper für seine Selbstregulierung aufwendet.“ Unklar ist bislang allerdings, ob auch weniger vertraute Menschen ähnlich positive Effekte hervorrufen können, ob also beispielsweise der Blutzucker auch beim Essen mit Kollegen stabiler bleibt, als wenn man allein am Schreibtisch isst.

Doch bereits auf Basis der bisherigen Erkenntnisse gehen die Forschenden davon aus, dass die positiven sozialen Effekte auf unseren Körper mit dafür verantwortlich sind, dass wir zwischenmenschliche Kontakte suchen. „Aus evolutionärer Sicht offenbart die soziale Physiologie einen psychobiologischen Vorteil der Sozialität, der über ihre verhaltensbezogenen und ökologischen Vorteile hinausgeht und zur Entstehung und Aufrechterhaltung sozialer Bindungen beitragen könnte“, schreiben die Forschenden. Atzil fasst zusammen: „Unsere Körper funktionieren gemeinsam besser.“

Quelle: Monia Masalha (The Hebrew University of Jerusalem, Israel) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aeg4937

BlutzuckerErnährungGemeinschaftGesundheitsoziale Physiologie
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