Mehr und mehr Studien zeigen, wie wichtig direkter Körperkontakt für Neugeborene ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys direkt nach der Geburt nackt auf die unbedeckte Haut der Mutter zu legen. Dort soll der Säugling möglichst die erste Stunde seines Lebens verbringen und idealerweise bereits zum ersten Mal an der Brust trinken. Selbst bei Kaiserschnitten bieten einige Kliniken inzwischen an, dass das Baby bereits vor Abschluss der OP auf der Brust der Mutter liegen darf.
„In vielen Einrichtungen ist es jedoch gängige Praxis, Neugeborene von ihren Müttern zu trennen, sie anzukleiden oder sie in offenen Bettchen oder unter Wärmestrahlern unterzubringen“, berichtet ein Team um Elizabeth Moore von der Vanderbilt University in Tennessee. Auch Routineverfahren wie körperliche Untersuchungen, Wiegen und Baden direkt nach der Geburt verhindern den unmittelbaren Haut-zu-Haut-Kontakt. „Selbst in Ländern mit sehr guter Versorgung ist diese kostenlose und leicht umsetzbare Maßnahme keine gängige Praxis“, so Moore.
Vorteil fürs Stillen und die Gesundheit
Für einen Cochrane-Metanalayse haben Moore und ihre Kollegen nun 69 Studien mit insgesamt 7290 Mutter-Kind-Paaren ausgewertet, die untersucht haben, wie sich der Haut-zu-Haut-Kontakt nach der Geburt auf verschiedene Gesundheitsparameter sowie auf das Stillen auswirkt. „Der Haut-zu-Haut-Kontakt erhöht wahrscheinlich die Rate der Kinder, die voll gestillt werden“, berichtet das Autorenteam. Von den Säuglingen, die direkt nach der Geburt mit ihrer Mutter kuscheln durften, wurden den ausgewerteten Studien zufolge rund 82 Prozent mindestens sechs Wochen lang voll gestillt. Bei den Babys ohne direkten Hautkontakt waren es nur 59 Prozent.
Zudem zeigten mehrere Studien, dass sich die Vitalparameter der Neugeborenen beim Kuscheln stabilisieren: Ihre Körpertemperatur und ihr Blutzuckerspiegel lagen höher als bei Kindern, die in den ersten Minuten und Stunden ihres Lebens auf mütterlichen Hautkontakt verzichten mussten. Auch die Herzfrequenz und die Atmung könnten sich durch das Kuscheln stabilisieren. Dazu gibt es aber laut Moore und ihrem Team bislang zu wenige qualitativ hochwertige Studien, um verlässliche Aussagen zu treffen. Auch dazu, ob der Hautkontakt zum Baby einen Einfluss auf den Blutverlust der Mutter oder auf den Zeitpunkt der Plazentageburt hat, ist die Studienlage nicht ausreichend.
Lebenswichtiger Haut-zu-Haut-Kontakt
Doch obwohl einzelne Fragen noch offen sind, raten die Forschenden davon ab, weitere randomisierte Studien durchzuführen, bei denen die Mütter und Kinder aus der Kontrollgruppe keinen Haut-zu-Haut-Kontakt haben dürften. „Den Haut-zu-Haut-Kontakt vorzuenthalten, wäre heute als unethisch anzusehen, da es ausreichende Evidenz gibt, dass der direkte Kontakt die Gesundheit und das Überleben von Neugeborenen verbessert“, sagt Co-Autorin Karin Cadwell vom Healthy Children Project in Massachusetts. „Unsere Übersichtsstudie spricht für sofortigen Haut-zu-Haut-Kontakt nach der Geburt, unabhängig von der Art der Entbindung.“





