Wenn wir älter werden, werden unsere Muskeln schwächer. Zellschäden und Mutationen der Muskelzellen werden nicht mehr so effizient repariert und auch die Energieversorgung der Muskeln nimmt ab. Dadurch wird im Laufe der Zeit immer mehr Muskelmasse abgebaut und auch die Muskelkraft schwindet. Ab dem 60. Lebensjahr liegt der Verlust der Muskelmasse durch diese Sarkopenie im Schnitt bei 0,5 bis einem Prozent jährlich, die Muskelleistung nimmt sogar um zwei bis drei Prozent ab.
Als Folge können ältere Menschen weniger schnell und wirksam auf ein Stolpern reagieren und stürzen leichter. Das Ausmaß dieses altersbedingten Muskelschwunds ist jedoch individuell unterschiedlich. Durch gezieltes Muskeltraining lässt sich der Abbau beispielsweise bremsen.
So funktioniert der 30-Sekunden-Test
Um herauszufinden, wie gut die eigene Muskelleistung noch ist, haben Forschende um Julian Alcazar von der Universität von Kastilien in Toledo schon vor einigen Jahren einen einfachen Test entwickelt: Man setzt sich mit vor der Brust gekreuzten Armen auf einen Stuhl und versucht dann, innerhalb von 30 Sekunden so oft und schnell wie möglich aufzustehen. Eine Formel verrechnet die Zahl der erfolgreichen Versuche mit Körpergewicht, Sitzhöhe und Körpergröße. Inzwischen gibt es auch eine kostenlose App – PowerFrail – mit der man diesen Wert selbst ermitteln kann.
Das Ergebnis des Aufsteh-Tests ist der sogenannte STS-Wert, der die Muskelleistung in Watt pro Kilogramm (W/kg) angibt. Frühere Studien legten bereits nahe, dass ein Wert unter 2,33 W/kg bei Männern und 2,01 W/kg bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Gebrechlichkeit, Probleme bei Alltags-Aktivitäten und Stürze einhergeht. „Dabei blieb aber unklar, ob diese Grenzwerte sensitiv genug sind, um auch bei einzelnen Menschen ein erhöhtes Risiko korrekt anzuzeigen.

Höheres Risiko für Knochenbrüche und Krankenhaus-Aufenthalte
Dies haben Alcazar, sein Kollege Mikel Garcia-Aguirre und ihr Team nun in einer Studie überprüft. Dafür ermittelten sie bei 1876 über 65 Jahre alten Testpersonen zunächst mithilfe des Aufsteh-Tests und der Formel den individuellen STS-Wert. Dann überprüften sie anhand der medizinischen Daten dieser Personen, ob diese in den rund sieben folgenden Jahren wegen Stürzen und Knochenbrüchen behandelt werden mussten, ins Krankenhaus kamen oder sogar starben.





