Die sogenannten Magic Mushrooms sind für ihren Einsatz als Partydroge berühmt-berüchtigt: Die für die Wirkung verantwortliche Substanz Psilocybin besitzt halluzinogene und bewusstseinsverändernde Effekte ähnlich wie LSD. Nach dem Gebrauch berichten Menschen von tiefgreifenden Veränderungen der Wahrnehmung und oft auch von Erfahrungen, die als von großer persönlicher und spiritueller Bedeutung empfunden werden. Allerdings kann es neben kritischen körperlichen Reaktionen auch zu Angstattacken und psychotischen Zuständen kommen. Vor Selbstversuchen und Party-Konsum wird deshalb gewarnt. Doch unter wissenschaftlicher Aufsicht werden die Wirkung und das möglicherweise erhebliche therapeutische Potenzial des Psilocybins bereits seit einiger Zeit untersucht.
Mit einer Droge gegen Sucht?
Frühere Studien deuten darauf hin, dass die psychedelische Substanz in der Therapie gegen Depressionen hilfreich sein könnte. Auswertungen von Hirnscans legen dabei nahe, dass Psilocybin gleichsam eine Neuverdrahtung von Hirnregionen bewirken kann, die Betroffenen hilft, festgefahrene kognitive Prozesse zu durchbrechen. Dazu passen auch die bereits vorhandenen Hinweise darauf, dass der Einsatz von Halluzinogenen als Begleitbehandlung im Kampf gegen Suchterkrankungen positive Wirkung zeigen kann. Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Michael Bogenschutz von der New York University nun das Potenzial von Psilocybin im Kampf gegen Alkoholabhängigkeit weiter ausgelotet.
An der Studie nahmen 93 Männer und Frauen teil, bei denen nach den gängigen Standarddefinitionen eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert worden war. Alle Probanden erhielten zwölf Psychotherapiesitzungen, die darauf abzielten, den übermäßigen Alkoholkonsum durch ein Umdenken und Verhaltensänderungen einzuschränken. Nach der vierten sowie der achten Sitzung bekam ein Teil der Studienteilnehmer im kontrollierten Umfeld eine Behandlung mit einer Dosis Psilocybin. Die andere Hälfte erhielt hingegen ein Beruhigungsmittel. Weder die Probanden noch die Betreuer wussten dabei, welche Substanz verabreicht wurde. Anschließend lagen alle Probanden auf einer Liege mit einer Augenbedeckung und hörten Musik.
Verstärkter Therapieerfolg
Im Rahmen der Studie erfassten die Wissenschaftler durch Befragungen das Trinkverhalten der Teilnehmer. Zusätzlich gaben diese Haar- und Fingernagelproben ab, um durch Analysen objektive Hinweise zu bekommen, wie viel Alkohol konsumiert wurde. Wie das Team berichtet, ging aus den Auswertungen hervor: Innerhalb eines Zeitraums von acht Monaten nach Beginn der Behandlung verringerten diejenigen, die Psilocybin erhalten hatten, ihren starken Alkoholkonsum um 83 Prozent im Vergleich zu ihrem Niveau vor Beginn der Studie. Diejenigen, die nur das Beruhigungsmittel erhalten hatten, verringerten ihren Alkoholkonsum hingegen nur um 51 Prozent.





