Hitzewellen in Serie, Wärmerekorde an Land und im Meer: Das Jahr 2026 ist schon jetzt eines der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und viele Regionen, darunter auch Europa, leiden unter Niedrigwasser, Ernteausfällen und Trockenheit. Mittels Vergleichsanalysen haben Klimaforscher bereits gezeigt, dass solche Extreme ohne den Klimawandel nahezu unmöglich gewesen wären. Für die Ozeane kommt noch ein weiteres Extrem hinzu: Das pazifische Klimaphänomen El Niño hat begonnen und könnte ebenfalls eine Rekordintensität erreichen.
Globale Meerestemperatur mit neuem Höchstwert
Jetzt meldet der Copernicus Climate Change Service der EU einen weiteren Rekord: Am 22. August 2026 waren die weltweiten Meeresoberflächentemperaturen so hoch wie noch niemals zuvor um diese Zeit gemessen. Mit im Schnitt 21,1 Grad Celsius ist dies ein neuer Rekord und liegt knapp über dem bisherigen Höchstwert von 21,09 Grad vom März 2024. Damit setzen die Weltmeere die Hitzephase dieses Jahres fort, denn schon in den letzten Monaten erreichten die Meerestemperaturen in vielen Regionen Rekordwerte.
„Dieser Rekord ist ein weiteres deutliches Anzeichen dafür, dass die Ozeane zunehmend unter Druck stehen. Zwar trägt El Niño zur Aufheizung der Ozeane bei, aber dies geschieht vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen anthropogenen Erwärmung“, sagt Samantha Burgess vom European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF). „Mit dem weiteren Anstieg der Meerestemperaturen wachsen auch die Risiken für marine Ökosysteme und Küstengemeinden.“
Warum der Zeitpunkt des Rekords ungewöhnlich ist
Überraschend ist jedoch der Zeitpunkt dieses marinen Hitzerekords: Typischerweise erreichen die Weltmeere ihre höchsten Temperaturen im März und April. Denn dann endet der Sommer auf der Südhalbkugel, die den größten Anteil an den irdischen Ozeanen hat. Das aufgeheizte Wasser der südlichen Meere treibt daher auch die globalen Meerestemperaturen in die Höhe – normalerweise.
Doch in diesem Jahr ist dies anders. Die extremen Hitzewellen auf der Nordhalbkugel und der El Niño im äquatorialen Pazifik haben die Meerestemperaturen in Rekordhöhen getrieben, obwohl auf der Südhalbkugel zurzeit Winter ist. Klimaforscher erwarten daher für dieses Jahr noch weiter steigende Ozeantemperaturen. Triebkraft dafür wird auch der El Niño sein, der typischerweise erst im Herbst und Winter seine volle Wirkung entfaltet. „Unsere saisonalen Prognosen deuten darauf hin, dass dieser El Niño eine seit Jahrzehnten nicht mehr erlebte Stärke erreichen wird“, so der Copernicus-Klimadienst.
Europa: „Ohne den Klimawandel praktisch unmöglich“
Für Europas Ozeane haben Forschende um Claire Bergin vom ICARUS Climate Research Centre in Irland und der World Weather Attribution (WWA) genauer untersucht, wie außergewöhnlich die aktuelle Entwicklung ist. In ihrer Attributionsstudie verglichen sie mithilfe von Klimamodellen, ob und wie stark sich die europäischen Meere ohne die globale Erwärmung von 1,4 Grad aufheizt hätten.
Das Ergebnis: „In den britischen und irischen Meeresgebieten wären Meerestemperaturen wie in diesem Sommer ohne den Klimawandel ein Jahrhundertereignis. In allen anderen europäischen Meeresgebieten wären die im Juli gemessenen Temperaturen praktisch unmöglich gewesen“, berichten die Forschenden. Ihren Berechnungen zufolge hat sich das Mittelmeer seit präindustrieller Zeit im Schnitt um 2,6 bis 3,1 Grad erwärmt. Davon gehen zwei Grad auf anthropogene Einflüsse zurück, wie Bergin und ihr Team ermittelten.
Warum warme Ozeane problematisch sind
Die Erwärmung der Ozeane hat weitreichende Folgen für Klima, Mensch und Natur. Denn die Meere sind der wichtigste Klimapuffer unseres Planeten. Doch je stärker sie sich aufheizen, desto weniger können sie die Aufheizung von Luft und Landmassen ausgleichen – ihre Kühlwirkung sinkt, gleichzeitig nehmen sie weniger Kohlendioxid aus der Luft auf. Höhere Meerestemperaturen können außerdem Wetterextreme wie Stürme und Starkregen begünstigen, weil die warme Meeresoberfläche mehr Wasserdampf in die Atmosphäre abgibt.
Wärmere Ozeane beschleunigen durch die thermische Ausdehnung des Wassers auch den Meeresspiegelanstieg und verstärken die Bedrohung durch Sturmfluten und Überschwemmungen für die Küstengebiete. Die hohen Ozeantemperaturen – verstärkt durch häufigere marine Hitzewellen – überschreiten zudem die Toleranzbereiche vieler Tier- und Pflanzenarten. Dies schädigt wichtige Ökosysteme wie Korallenriffe und Seegraswiesen, was wiederum marine Nahrungsnetze sowie Wirtschaftszweige wie Fischerei und Aquakultur beeinträchtigt, wie der Copernicus-Klimadienst erklärt.
Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S), European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF), Word Weather Attribution (WWA) Report





