Der El Niño ist eine natürliche Klimaschwankung, die Meeresströmungen und Winde im Pazifikraum verändert und Klimaextreme weltweit verstärkt. Seit Sommer 2026 herrschen im Pazifik erneut El-Niño-Bedingungen, doch diesmal in extremer Form: Angeheizt durch den Klimawandel könnte der aktuelle El Niño einer der stärksten je beobachteten werden. Als Folge dieses Super-El-Niño sagen Klimaforscher mehr Hitze und starke Veränderungen der globalen Niederschlagsmuster voraus.
Wie viele Leben werden die El-Niño-Hitzeextreme kosten?
Doch was bedeutet dies konkret? Welche Regionen wird der Super-El-Niño am stärksten treffen? Das haben nun Michael Greenstone von der University of Chicago und seine Kollegen untersucht. Dafür ermittelten sie zunächst mithilfe von Prognosen des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, welche Temperaturabweichungen der El Niño in knapp 25.000 Regionen der Erde von Juni 2026 bis Februar 2027 erzeugt. Dann berechneten sie mit einem Modell, wie viele zusätzliche hitzebedingte Todesfälle es in den verschiedenen Regionen geben könnte.
Das Ergebnis: Der aktuelle Super-El-Niño könnte bis Februar 2027 rund 44 Prozent mehr extreme Hitzetage verursachen als für diese Jahreszeit normal. „Diese anomal heißen Bedingungen sind ein Vorgeschmack auf die Zukunft: Sie entsprechen den Klimabedingungen, wie sie durch den Klimawandel in 20 Jahren herrschen werden“, erklären Greenstone und seine Kollegen. „Der El Niño setzt uns Temperaturextremen aus, wie sie erst in der Zukunft die Norm sein werden.
Rund 451.000 Todesfälle zusätzlich - allein durch die Hitze
Das hat Folgen: Allein die Hitzeextreme des El Niño könnten unzählige Menschen das Leben kosten. “Unseren Schätzungen zufolge könnten weltweit insgesamt rund 451.000 Menschen durch die Auswirkungen des aktuellen Super-El-Niño sterben“, berichtet Greenstone. Allein für die nächsten sechs Monate prognostizieren er und sein Team 239.000 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle weltweit. Diese Todesopfer kommen noch zu denen von Starkregen, Überschwemmungen und anderen Klimafolgen des El Niño dazu.
„Dies ist eine fast unbegreiflich große Zahl. Aber dahinter stecken Eltern und Kinder, Großeltern und Nachbarn – Menschen, die zur Arbeit gehen, sich um ihre Familien kümmern und ihr Leben führen“, sagt Greenstone. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und kleine Kinder, aber auch Menschen mit chronischen Erkrankungen.
Welche Länder und Regionen trifft es am stärksten?
Die neue Kartierung verrät auch, dass sich die Hitzeextreme des El Niño im globalen Süden besonders schlimm auswirken. „In ärmeren, heißen Ländern fehlen das Geld und die Elektrizität, um ihre Bevölkerung ausreichend zu schützen“, erklären Greenstone und seine Kollegen. „18 Länder sind von dieser tödlichen Kombination aus extremer Hitze und fehlender Kühlung betroffen.“ Unter diesen sind Indonesien mit rund 19.300 prognostizierten Hitzetoten, die Philippinen, Vietnam, Thailand und Kambodscha mit jeweils 19.400 und Indien mit 15.800 zusätzlichen Todesfällen. In Südamerika ist Brasilien mit 13.300 Hitzetoten durch den aktuellen El Niño am stärksten betroffen.
Die tödlichsten Folgen könnte der Super-El-Niño jedoch in vier Staaten der Sahelzone Afrikas haben. In Nigeria, im Sudan, im Tschad und in Niger könnten bis Februar 2027 insgesamt rund 66.800 Menschen mehr als normalerweise an den Folgen der Hitze sterben, wie das Team ermittelte. Rund die Hälfte dieser Todesopfer entfällt auf Nigeria, das am stärksten betroffene Land weltweit. Für diese Länder sei es dringend nötig, kurzfristige Anpassungsmaßnahmen einzuleiten, darunter medizinische Hilfen und Kühlmöglichkeiten für die Bevölkerung.

Diese 15 Länder sind den Prognosen zufolge am stärksten von den Hitzefolgen des El Niño betroffen. — © University of Chicago/ Climate Impact Lab Special Report
Vorgeschmack auf die Zukunft
Nach Ansicht der Forschenden unterstreichen diese Prognosen nicht nur die weltweiten Folgen eines starken El Niño. Sie illustrieren auch, was passiert, wenn sich die Welt nicht auf den noch kommenden Klimawandel und seine Auswirkungen vorbereitet. „Diese Todesfälle sind ein Einblick darin, was uns bevorsteht, wenn wir nicht mehr in Anpassungsmaßnahmen investieren“, betonen die Forschenden.
„Wir müssen jetzt die Ressourcen mobilisieren, um die Werkzeuge zu entwickeln, zu evaluieren und einzurichten, die in den kommenden Jahren Leben retten könnten“, sagt Co-Autorin Tamma Carleton von der University of California in Berkeley.
Quelle: Michael Greenstone (University of Chicago) et al., Climate Impact Lab Special Report 2026 (PDF)





