Alle paar Jahre heizt das Klimaphänomen El Niño den zentralen Pazifik anomal stark auf und verändert Meeresströmungen und Winde über dem gesamten Pazifikraum. Die normalerweise stetig westwärts wehenden Passatwinde schwächen sich stark ab, parallel dazu stockt der Aufstieg kalten Tiefenwassers vor der Westküste Südamerikas. Dadurch entwickelt sich ein riesiger Warmwasserkeil im tropischen Pazifik, der die normalen Wetterverhältnisse dieser Region umkehrt und auch die globalen Temperaturen in die Höhe treibt. Der letzte El Niño ereignete sich 2023/2024, er fiel besonders stark aus und brachte globale Rekordtemperaturen.
Erste Vorboten schon im Frühjahr
Kommt jetzt direkt der nächste El Niño? Erste Hinweise auf sich anbahnende El-Niño-Bedingungen meldeten Forschende der US National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und der europäischen Klimaüberwachungszentren bereits im Frühjahr dieses Jahres. Erhöhte Oberflächentemperaturen des tropischen Pazifiks und ein wachsender Pool anomal warmer Wassermassen in tieferen Meeresschichten lieferten erste Indizien für das Klimaphänomen. Auch die Passatwinde über Teilen der El-Niño-Region haben sich schon im März 2026 abgeschwächt.
Das Problem jedoch: Bis in den Mai hinein können Wetterturbulenzen solche El-Niño-Vorzeichen auch wieder verschwinden lassen. Daher sind Prognosen im Frühjahr notorisch unzuverlässig und haben schon häufiger zu einem „Fehlalarm“ geführt.

Wahrscheinlichkeit von 82 bis 96 Prozent
Jetzt gibt es neue Daten: Am 14. Mai hat die NOAA eine aktualisierte El-Niño-Vorhersage veröffentlicht, die bereits deutlich präziser ist. Demnach liegen die Meeresoberflächentemperaturen im äquatorialen Pazifik inzwischen je nach Region zwischen 0,4 und einem Grad über dem langjährigen Mittel – als Schwelle für einen El Niño gelten 0,5 Grad. „Die unter der Meeresoberfläche liegenden Wasserschichten bis in 300 Meter Tiefe haben sich in den letzten sechs Monaten stetig weiter erwärmt“, berichtet die NOAA. Auch die Passatwind-Anomalien bestehen weiter.






