Tropische Wirbelstürme gehören zu den folgenreichsten Naturgefahren weltweit - und auch an ihnen geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber: Steigende Meerestemperaturen begünstigen die Bildung neuer Tropenstürme und liefern Hurrikans und Taifunen mehr Energie. Gleichzeitig verlängert sich die Saison, in der die Meeresoberfläche warm genug für Wirbelstürme ist und die betroffenen Meeresgebiete weiten sich aus, wie Analysen für Hurrikans im Atlantik gezeigt haben.
Veränderte Zugbahnen auch im Nordwestpazifik
Ob dies auch für Taifune im Nordwestpazifik gilt, haben nun Forschende um Jia Sun vom Zentrum für Meeresforschung und -technologie in Qingdao untersucht. Dafür werteten sie Wetteraufzeichnungen und Daten zu Zugbahnen von Stürmen für die Zeit von 1980 bis 2025 für den westlichen Nordpazifik aus.
Das Ergebnis: „Wir sehen eine signifikante polwärts-Verlagerung von tropischen Wirbelstürmen in Ostasien“, berichtet das Team. Verglichen mit der Zeit von 1980 bis 2006 verlagerten sich die Bildungszonen der Taifune in den letzten zehn Jahren etwas weiter nach Nordwesten, gleichzeitig veränderten sich ihre Zugbahnen: „Die Daten zeigen eine systematische Ablenkung im Uhrzeigersinn“, berichten Sun und seine Kollegen. Die Wirbelstürme biegen oberhalb von 25 Grad nördlicher Breite von einem ursprünglich westlichen Kurs nach Nordosten ab.
Erhöhte Gefahr für Japan, Korea und Ostchina
Dadurch treffen die Taifune häufiger auf die Küsten Ostasiens. „Obwohl heute etwas weniger Wirbelstürme im Nordwestpazifik entstehen, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Landfall bei diesen Taifunen gestiegen“, berichten Sun und sein Team. Pro Jahrzehnt hat sich der Anteil der auf Land treffenden Wirbelstürme um 3,4 Prozent erhöht. Allerdings ist nicht jede Küste gleichermaßen betroffen: Südlich des 20. nördlichen Breitengrads erreichen heute sogar weniger Taifune die Küsten. Dafür ist die Landfall-Häufigkeit nördlich des 30. Breitengrads signifikant gestiegen.
Die Sturmgefahr für Korea, Japan und Teile Ostchinas hat deshalb in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen: Taifune, die früher weiter südlich blieben oder gar nicht auf Land trafen, erreichen inzwischen häufiger die Küsten dieser Länder. „Die Taifun-Saisons 2024 und 2025 illustrieren diese Verschiebung: In beiden Jahren erreichten zehn Taifune die Region nördlich des 30. Breitengrads und siebenmal zogen die Wirbelstürme über Japan und die koreanische Halbinsel hinweg“, berichten Sun und seine Kollegen.
Weniger Vorwarnzeit durch schnellere Stürme
Und noch etwas kommt hinzu: “Dieser Richtungswechsel ist mit einer erhöhten Zuggeschwindigkeit der Stürme verknüpft“, berichtet das Team. Ihren Analysen zufolge bewegen sich Taifune südlich des 25. Breitengrads noch mit weniger als 30 bis 40 Kilometer pro Stunde, beschleunigen nördlich davon aber auf mehr als 100 Kilometer pro Stunde. Die Zeit von der Sturmentstehung bis zum Landfall hat sich dadurch von 5,6 Tagen auf 4,7 Tage verkürzt.
Für die Bevölkerung der betroffenen Regionen bedeutet dies: Sie haben weniger Zeit, um sich auf die herannahenden Wirbelstürme vorzubereiten. Denn ein tropischer Wirbelsturm, der näher an Land entsteht und sich schneller auf die Küste zubewegt, verkürzt die Zeit für Vorhersagen, Notfallplanung und die Evakuierung der Bevölkerung. „Dies unterstreicht, dass Risikobewertungen und Frühwarnsysteme für Küstenregionen auch veränderte Zugbahnen und Zugzeiten der Wirbelstürme berücksichtigen müssen – insbesondere im nördlichen Ostasien“, sagt Co-Autor Guihua Wang von der Fudan-Universität.
Warum sich die Zugbahnen und Zugzeiten der Taifune geändert haben, ist noch nicht eindeutig geklärt. Denn das beobachtete Muster beruht auf einer Kombination aus langfristigem Klimawandel und natürlichen Klimaschwankungen, wie die Forschenden erklären. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, müssen nun längere Datenreihen und Klimamodelle zeigen.
Quelle: Jia Sun (Qingdao Marine Science and Technology Center, China) et al., Advances in Atmospheric Sciences, 2026; doi: 10.1007/s00376-026-5906-y





