Das Klimakterium ist ein Mysterium: Warum beenden die Wechseljahre bereits im zweiten Lebensdrittel die Fruchtbarkeit von Frauen, während Männer ihr Leben lang zeugungsfähig bleiben? Das Klimakterium bezeichnet dabei die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Regelblutung, die auch den letzten Eisprung kennzeichnet. Im Tierreich finden sich dazu kaum Parallelen: In der Regel sind die Weibchen bis zum Tod fortpflanzungsfähig. Der bekannteste Erklärungsansatz für den evolutionären Ursprung des Klimakteriums beim Menschen ist die Großmutter-Hypothese. Sie besagt, dass Frauen jenseits der Wechseljahre durch ihre Erfahrungen für das Überleben der Sippe und damit der eigenen Gene besonders wichtig waren: Sie konnten sich durch die kluge Sorge um ihre Kinder und Enkel mehr Nachkommen sichern als durch die Geburt weiterer eigener Kinder, so die Theorie.
Studie mit intimen Einblicken
Wie Megan Arnot und Ruth Mace vom University College London berichten, gibt es bereits statistische Hinweise darauf, dass verheiratete Frauen tendenziell später in die Wechseljahre kommen als alleinstehende. Im Rahmen ihrer Studie sind sie nun der Frage nachgegangen, was hinter diesem Zusammenhang stecken könnte: Ist es nur das enge Zusammenleben mit einem Partner, das diesen Effekt beeinflusst oder hat es mit der Sexualität zu tun? Um Hinweise zu bekommen, haben sie Daten einer US-amerikanischen Studie zur Frauengesundheit ausgewertet.
Bei Studienbeginn im Jahr 1996 lag das Durchschnittsalter der rund 3000 Teilnehmerinnen bei 45 Jahren. Keine der Frauen war bereits in die Wechseljahre eingetreten. Die Daten umfassten neben vielen Informationen auch Einblicke ins Intimleben der Teilnehmerinnen: Sie gaben an, wie häufig sie sexuell aktiv waren – sei es in der Form von Geschlechtsverkehr oder anderer Praktiken. Die Studie besaß eine Laufzeit von zehn Jahren, im Verlauf derer die Frauen ins Klimakterium kamen. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren, darunter dem Östrogenspiegel, der Bildung, dem Gewicht und der allgemeinen Gesundheit, führten die Wissenschaftlerinnen eine statistische Auswertung durch, um einer etwaigen Verknüpfung von sexuellem Verhalten und dem Alter des Einsetzens der Menopause auf die Spur zu kommen.
Ergebnisse im Einklang mit der Großmutter-Hypothese
Wie die beiden Forscherinnen berichten, lag das durchschnittliche Beginn der Wechseljahre bei 52 Jahren. Beim Blick auf die Variationsbreite dieses Alters zeichnete sich allerdings ab: Frauen, die wöchentlich Sex hatten, kamen signifikant später ins Klimakterium als Studienteilnehmerinnen, die angegeben hatten, nur etwa einmal im Monat sexuell aktiv zu sein. Bei Frauen, die noch weniger Sex praktizierten, setzte sich diese statistische Tendenz weiter fort, berichten die Wissenschaftlerinnen. Die bloße Anwesenheit eines Partners im Haushalt spielte hingegen keine Rolle, stellten sie fest.





