Chronischer Stress kann krank machen – körperlich und mental. Wer dauerhaft unter Stress leidet, hat beispielsweise ein höheres Risiko, eine Herzerkrankung, Diabetes, eine Depression oder Angststörung zu entwickeln. Stressauslöser können Probleme im privaten oder beruflichen Umfeld sein, doch es gibt auch Faktoren, die nicht nur Einzelne, sondern die ganze Gesellschaft stressen. Zu diesen Widrigkeiten zählen etwa Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Ungleichheit. Eine stressige Situation stellten aber auch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 dar, die teils stark in unseren Alltag und unsere Freiheit eingegriffen haben. Dennoch nahmen Menschen diesen Stress sehr unterschiedlich wahr und entwickelten individuelle Strategien, um ihn zu verarbeiten. Aber was genau hat manchen Menschen geholfen, besser als andere mit dem Pandemiestress klarzukommen?
Kreative Lösungen für Pandemieprobleme
Um das herauszufinden, haben zwei Forscherinnen untersucht, welche Charaktereigenschaften Menschen besitzen, die mental gut durch die Pandemie gekommen sind. Dafür erhoben sie im Februar 2021, während der zweiten Corona-Welle in den USA, umfangreiche Gesundheitsdaten von 503 repräsentativen Erwachsenen. Xiangyou „Sharon“ Shen von der Oregon State University und Zoe Crawley von der Vanderbilt University befragten die Testpersonen in dem Online-Fragebogen zu ihren Lebensumständen und ihren Gedanken dazu. Anschließend verglichen die beiden Forscherinnen insbesondere die Angaben jener Menschen, die einen hohen Grad an Verspieltheit aufweisen und das Leben als Spiel betrachten, und den Menschen, die es eher ernst nehmen und skeptisch angehen. Ein solcher verspielter Charakter lässt sich mithilfe eines etablierten psychologischen Fragenkatalogs ermitteln. Von dieser Personengruppe wird angenommen, dass sie unerfreuliche Situationen für sich in angenehmere „umschreiben“. Shen und Crawley wollten verstehen, was genau hinter dieser vagen Vorstellung und bisher unerforschten Annahme steckt.
Tatsächlich enthüllte der Vergleich einige besondere Eigenschaften von verspielten Personen: „Sie zeigten mehr Optimismus, wenn es darum ging, sich zukünftige Möglichkeiten vorzustellen. Sie engagierten sich für kreativere Problemlösungen und schafften es, Qualität und Spaß in alltägliche Aktivitäten zu bringen“, berichtet Shen. Demnach nahmen diese Menschen die Pandemie-Einschränkungen nicht als gegeben hin, sondern versuchten, das Beste daraus zu machen. „Sie veränderten aktiv herausfordernde Situationen, fanden kreativen Ersatz für das, was verloren ging, sahen Hindernisse als Wachstumschancen und behielten ein starkes Gefühl der Kontrolle über ihre Reaktionen“, so Shen weiter.





