Eine riesige Wasserwand fegte Menschen und Hotels hinweg – die schockierenden Aufnahmen der Tsunamikatastrophe von 2004 im Indischen Ozean sind vielen Menschen ins Gedächtnis gebrannt. Die schlimmste Folge war das menschliche Leid: Mehr als 226.000 Menschen, unter ihnen auch 2000 Europäer, kamen ums Leben. Darüber hinaus verursachte der Tsunami aber auch Schäden von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Diesem Aspekt der finanziellen Folgen von Tsunamis haben nun die Forscher vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Studie gewidmet.
Simulierte Tsunamis verwüsten Touristenstrände
Mit ihrem eigens entwickelten Simulationsmodell „TsuPy“ ließen die Wissenschaftler mehrere tausend mögliche Tsunamis auf rund 24.000 Strände los. Sie analysierten dabei auch Ereignisse an Orten, an denen noch keine Tsunamis dokumentiert wurden, sie aber in Zukunft möglich sind. Anhand der gewonnenen Daten schätzten sie dann die wirtschaftliche Relevanz für mehr als 1000 Reiseziele weltweit ein und erstellten einen Tsunami-Risikoindex. „Wir nutzten dabei die neuesten und besten Tourismus- und Hoteldaten“, betont Co-Autor James Daniell.
Die Auswertungen ergaben: Unterm Strich ist in der Tourismusbranche im Schnitt alle zehn Jahre mit einem wirtschaftlichen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar durch Tsunamis zu rechnen. Bei den Untersuchungen zeichnete sich zudem deutlich ab, dass immer mehr Reisende die gefährdeten Regionen Europas und der Welt als Ziel wählen. “Im Verhältnis zu den großen weltweiten Einnahmen durch Strandtourismus fallen die Tsunamirisiken zwar eher gering aus. Schließlich können mancherorts Jahrzehnte oder Jahrhunderte zwischen zwei großen Tsunamis vergehen. Allerdings können die Verluste für einzelne Ereignisse an manchen Orten gewaltig sein“, betont Co-Autor Andreas Schäfer.
Rund alle zehn Jahre kommt ein milliardenschwerer Tsunami
Beispiele verdeutlichen dies: Auf den Malediven mussten in Folge des Tsunamis von 2004 mehr als 20 Prozent aller Strandresorts schließen. In Phang Nga und Phuket in Thailand waren es jeweils bis zu zwei Drittel der Hotels. Dazu kommt: „Nach vergangenen Ereignissen, wie im Indischen Ozean, blieb ein beträchtlicher Anteil der Urlauber der ganzen Region fern und die Preise fielen durch den Verlust von Stränden, Schäden an Hotels und Problemen mit der Infrastruktur“, sagt Schäfer.
Wie die Daten dokumentieren, können in vielen Regionen der Welt zerstörerische Tsunamiwellen die Küsten erreichen. So auch im Mittelmeerraum: Regionen wie Kreta oder Antalya finden sich deshalb ebenfalls in den Top 100 des Risikoindexes wider. „In absoluten Werten zeigt Hawaii das mit Abstand größte finanzielle Risiko für den Tourismus durch Tsunamis“, berichtet Schäfer. „Dies liegt daran, dass Hawaii durch seine Lage mitten im Pazifik umringt ist von vielen möglichen Tsunamiquellen, etwa aus Richtung Japan, Alaska, Südamerika und anderen Regionen“, erklärt er. In diesem Fall gibt es aber eindeutig einen positiven Aspekt: „Der Großteil der Schäden ist dort dank ausreichender Frühwarnsysteme vor Ort rein wirtschaftlich.“






