Eitel und fies?
Um herauszufinden, inwieweit diese beiden Hauptfacetten des Narzissmus bei Schauspielern ausgeprägt sind, untersuchten Dufner und seine Kollegen die Persönlichkeitsmerkmale von Schauspielern in zwei Versuchsansätzen. Beim ersten baten sie eine Gruppe von Schauspielstudenten und eine Gruppe von Studierenden anderer Fächer, einen psychologischen Fragebogen auszufüllen, der Aufschluss über den Grad ihrer narzisstischen Züge gab. Beim zweiten Ansatz legten die Psychologen den Fragebogen einer Gruppe aktiver Schauspieler vor. Zusätzlich baten sie diese, sich von einem engen Bekannten beurteilen zu lassen. Dazu diente eine umformulierte Version des Fragebogens, die eine Außensicht auf die Persönlichkeit des jeweiligen Schauspielers ermöglichte.
Narzisstischer Neid und Missgunst sind untypisch
Die Ergebnisse beider Untersuchungsansätze waren praktisch identisch, berichten die Forscher. Im Durchschnitt spiegelte sich in den Auswertungen wider: Die Schauspieler hatten tatsächlich ein vergleichsweise starkes Bedürfnis nach Bewunderung. Doch die Schattenseite des Narzissmus war offenbar deutlich weniger ausgeprägt, als zu erwarten gewesen wäre: Die Versuchsteilnehmer zeigten im Durchschnitt sogar weniger abwertende Tendenzen gegenüber Mitmenschen als Probanden der Kontrollgruppe.
“Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Schauspieler tatsächlich eine erhöhte Tendenz zum narzisstischen Streben nach Bewunderung und Selbstdarstellung haben”, resümieren die Forscher. Vermutlich sei dies auch ihre Antriebsfeder. Gleichzeitig scheinen Schauspieler jedoch sogar eine abgemilderte narzisstische Tendenz zur Fremdabwertung und Aggressivität aufzuweisen. “Narzisstischer Neid und Missgunst sind eher untypisch für Schauspieler”, so Dufner.
Quelle: Universität Leipzig, Fachartikel: Social Psychological and Personality Science, doi:10.1177/1948550614564224





