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Schon Steinzeit-Sammler konsumierten Drogen
Archäologie

Schon Steinzeit-Sammler konsumierten Drogen

Die Zähne des steinzeitlichen Betelnuss-Konsumenten sind stark abgenutzt. Insbesondere die Backenzähne sind durch das Lutschen der harten Betelnüsse weit heruntergeschliffen. · Foto: © Fakhri/ Badan Riset dan Inovasi Nasional

Die älteste Droge der Welt: Schon vor bis zu 25.000 Jahren könnten Menschen berauschende Betelnüsse konsumiert haben. Bei zwei Skeletten von steinzeitlichen Jägern und Sammlern aus Indonesien haben Forschende charakteristische Schäden an den Zähnen festgestellt und Spuren von Arecolin, dem neuroaktiven Wirkstoff der Betelnuss, nachgewiesen. Offenbar lutschten die Steinzeitmenschen die Betelnuss im Ganzen – und zerstörten damit dauerhaft ihre Mundgesundheit.
Autor
Elena Bernard
11. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Als älteste Droge der Menschheit gilt meist Alkohol. Ähnlich wie heutige Menschenaffen verzehrten womöglich auch unsere frühmenschlichen Vorfahren bereits vergorene Früchte – sei es wegen der enthaltenen Kalorien oder gezielt, um einen Rauschzustand zu erleben. Einen direkten Nachweis dafür gibt es allerdings nicht. Den frühesten archäologisch belegten Konsum eines Rauschmittels datieren Historiker auf die Zeit vor etwa 13.000 Jahren, als halbsesshafte Völker in Israel erstmals Bier brauten.

Abnutzung an fossilen Zähnen

Doch wie ein Team um Adam Brumm von der Griffith University in Australien nun herausgefunden hat, könnte eine andere Droge noch deutlich älter sein: die Betelnuss. „Obwohl sie in westlichen Gesellschaften kaum bekannt ist, ist sie nach Alkohol, Koffein und Nikotin die vierthäufigste psychoaktive Substanz weltweit“, berichtet Brumm. Vor allem im asiatischen Raum kauen zahlreiche Menschen auf den stark süchtig machenden Samen der Betelpalme.

Die Wurzeln dieses Konsums könnten bis in die Altsteinzeit zurückreichen. Auf der indonesischen Insel Sulawesi haben Brumm und sein Team die bis zu 25.000 Jahre alte Skelettreste zweier Jäger und Sammler entdeckt, deren Zähne tiefe, abgerundete Abnutzungsspuren aufweisen – fast so, als hätten sie regelmäßig intensiv an Steinen gelutscht. Den entscheidenden Hinweis lieferte eine biochemische Untersuchung der Substanzen im Zahngewebe. Dabei stießen die Forschenden auf Spuren von Arecolin, dem psychoaktiven Inhaltsstoff der Betelnüsse. Offenbar hatten die frühen Konsumenten die Betelnüsse im Ganzen gelutscht.

Wurden schon Steinzeitmenschen high?

Heute werden Betelnüsse üblicherweise in verarbeiteter Form zusammen mit Löschkalk gekaut. „Der Löschkalk ist ein wesentlicher Bestandteil, da er eine chemische Reaktion auslöst, durch die die psychoaktiven Verbindungen der Nuss schneller in den Blutkreislauf gelangen“, erklärt Brumm. Dadurch werden erwünschte Effekte – ein Gefühl der Euphorie und erhöhten Aufmerksamkeit – verstärkt.

Um herauszufinden, inwieweit diese Effekte auch beim reinen Lutschen ganzer Betelnüsse auftreten können, weichten Brumm und seine Kollegen einige Betelnüsse in künstlichem Speichel ein, isolierten anschließend die in die Flüssigkeit übergegangenen Substanzen und testeten sie an klonierten menschlichen Rezeptoren. „Dabei zeigte sich, dass bereits das Lutschen an intakten Betelnüssen Arecolin in ausreichender Menge freisetzt, um eine physiologische Wirkung zu erzielen und die Gehirnfunktion zu verändern“, berichtet Brumm. Das High dürfte zwar geringer ausgefallen sein als beim Kauen mit Löschkalk, könnte aber dennoch verlockend genug gewesen sein, damit der Konsum zur Gewohnheit werden konnte.

Schädliche Medizin

Den Forschenden zufolge könnte es sein, dass die frühen Jäger und Sammler die schmerzlindernde Wirkung von Arecolin ausgenutzt haben, um Zahnschmerzen zu behandeln. Doch damit begaben sie sich in einen Teufelskreis: „Im Laufe der Zeit zermürbte das Kauen dieser harten, scheuernden Samen die Zähne so stark, dass in einigen Fällen die innere Pulpakammer vollständig freigelegt wurde, was äußerst schmerzhaft gewesen sein muss“, sagt Brumm. „Während diese Gewohnheit also möglicherweise ein Mittel gegen Zahnschmerzen war, führte das jahrelange, anhaltende Kauen der Nüsse letztendlich zu weitaus schwerwiegenderen Zahnproblemen, wodurch ein Kreislauf des fortgesetzten gewohnheitsmäßigen Konsums entstand.“

Auch heute ist die Betelnuss dafür bekannt, die Mundgesundheit gravierend zu beeinträchtigen. Viele Konsumenten haben schlechte oder ausgefallene Zähne sowie ein stark erhöhtes Risiko für Speiseröhren- und Mundhöhlenkrebs. Die Studie legt nahe, dass der Konsum und die damit einhergehenden Probleme in ähnlicher Weise womöglich schon vor zehntausenden Jahren auftraten – lange bevor die Menschen sesshaft wurden.

Quelle: Adam Brumm (Griffith University, Australien) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aei1901

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