Immer wieder kommt es vor, dass Archäologen oder auch private Sondengänger auf Funde aus der Römerzeit stoßen – von Waffen, Schnallen oder Metallgefäßen bis hin zu Silber- und Goldmünzen. Erst im Juli 2026 entdeckte ein Sondengänger in Halle an der Saale fünf Silberdenare aus der Zeit der römischen Republik, im Oktober 2025 wurde bei Hildesheim in Niedersachsen ein Hortfund mit 450 Silbermünzen aus dem römischen Kaiserreich bekannt.
934 römische Silberdenare
Jetzt gibt es einen weiteren Fund: Ein Sondengänger hat bei einer genehmigten Suche in Wesseling südlich von Köln einen großen Münzschatz entdeckt. Bei seiner Suche mit einem Metalldetektor stieß Oliver Riedl auf einem Acker plötzlich auf eine Silbermünze nach der anderen. Selbst nachdem er bereits 15 Münzen geborgen hatte, hörten die Signale seiner Metallsonde nicht auf. „Für mich war klar, dass hier etwas Größeres im Boden liegt“, sagt Riedl. „Ich habe daher umgehend das Amt verständigt.“
Die Archäologen des Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) begannen daraufhin sofort mit systematischen Ausgrabungen – und machten reiche Beute: Insgesamt förderten sie 934 römische Silberdenare mit einem Gesamtgewicht von 3,1 Kilogramm zutage. Die älteste Münze stammt aus dem Jahr 148 vor Christus und damit aus der Zeit der römischen Republik. Der jüngste Silberdenar wurde im Jahr 124/125 nach Christus geprägt. Das legt nahe, dass der Münzschatz während der Regierungszeit des römischen Kaisers Hadrian vergraben wurde.

Dieser Silberdenar zeigt das Profil des römischen Kaisers Domitian, einem der Vorgänger Hadrians, der bis zum Jahr 96 regierte. — © Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Wert entsprach sechs Jahreslöhnen eines römischen Legionärs
„Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus der Zeit des Kaisers Hadrian in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erläutert der Landesarchäologe Erich Claßen vom Amt für Bodendenkmalpflege. Hortfunde aus dem römischen Reich sind zwar nicht selten. Allerdings sind nur wenige Schatzfunde aus dem 2. Jahrhundert so umfangreich wie der jetzt entdeckte Münzhort. Der damalige Wert lässt sich jedoch nur schwer bemessen.
Einen Anhaltspunkt liefert der Sold römischer Legionäre, der aus Schriftquellen gut bekannt ist. „Zu der Zeit verdiente ein einfacher Soldat in der römischen Legion 300 Denare im Jahr. Davon wurde aber etwa die Hälfte für Lebensmittel und Ausrüstung einbehalten“, erklärt Rahel Otte vom Amt für Bodendenkmalpflege. „Ein Legionär hätte somit rund sechs Jahre sein gesamtes verfügbares Geld sparen müssen, um den Wesselinger Schatzfund anzusammeln.“
Wem gehörte der Schatz? Und warum blieb er im Boden?
Klar scheint, dass die Münzen einst absichtlich vergraben wurden, denn bei der Bergung des Schatzes fanden die Archäologen auch Fragmente eines Keramiktopfes und Strohreste. „Wahrscheinlich sind die Münzen ursprünglich in einem mit Stroh ausgepolsterten Topf vergraben worden“, sagt Otte. Durch das Pflügen des Ackers und andere landwirtschaftliche Arbeiten wurde das Behältnis allerdings zerstört und die Münzen im Boden verteilt.
Doch wer diesen Münzschatz vor rund 1900 Jahren anhäufte und dann vergrub, ist noch ungeklärt. Die Archäologen vermuten, dass der Besitzer der Silbermünzen auf einem der römischen Landgüter im Umfeld des Fundorts lebte. Doch warum vergrub er diesen Schatz? „Wir können über die Beweggründe natürlich nur spekulieren, aber sehr wahrscheinlich wollte jemand dieses Geld sicher aufbewahren. Denn Banken gab es damals noch nicht“, erklärt Claßen.
Offen ist auch, warum der Münzschatz nie wieder geborgen wurde. „Möglicherweise verstarb der Besitzer oder die Besitzerin vorher, ohne das Wissen um die Münzen weitergeben zu können“, sagt Claßen. Der Münzschatz wird aktuell auf der Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung erstmals der Fachwelt vorgestellt.
Quelle: LVR – Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland





