Wie entstanden die ersten Formen von Sprache in der menschlichen Entwicklungsgeschichte? In der Linguistik geht man bisher davon aus, dass unsere Vorfahren sich zunächst vor allem mithilfe von ikonischen Gesten verständigten. Eigentlich wäre dieses System für eine komplexe Kommunikation ausreichend, wie die Leistungsfähigkeit der heutigen Gebärdensprachen verdeutlicht. Doch offensichtlich entwickelte sich beim Menschen primär eine Verständigungsweise über hörbare Sprache. Wie und warum es dazu gekommen ist, bleibt unklar. Den lautmalerischen Aspekten von Sprache wurde dabei bisher eher wenig Bedeutung zugesprochen, denn das Potenzial der möglichen Informationsübermittlung galt als eher gering. Inwieweit das tatsächlich zutrifft, hat nun ein deutsch-britisches Team aus Sprachwissenschaftlern durch eine experimentelle Studie ausgelotet.
Was kann Lautmalerei leisten?
Für ihre Tests nutzten die Forscher Aufnahmen von lautmalerischen Vokalisierungen, die überwiegend englische Sprecher für 30 Wörter erfunden haben. Sie sollten dabei mit Mund und Stimme Höreindrücke erzeugen, von denen sie glaubten, dass andere sie mit dem jeweiligen Wort verknüpfen können. Darunter waren Verben wie “schneiden” oder „schlafen“, Substantive wie “Kind” oder „Obst“ sowie Begriffe wie “gut” oder “schlecht”. Bei „schlafen“ lag beispielsweise ein Schnarchgeräusch als lautmalerisches Symbol nahe – bei anderen Begriffen war hingegen mehr Kreativität gefragt: Für “Obst” machten einige Probanden ein „knirschend- schlürfendes“ Geräusch. Beim abstrakten Wort “gut” war hingegen ein Geräusch typisch, das sich in der Tonhöhe von tief nach hoch veränderte – bei “schlecht” das Gegenteil.
Als deutende Probanden waren insgesamt 843 Freiwillige aus 25 unterschiedlichen Sprachgruppen der ganzen Welt im Einsatz. Darunter waren neben Europäern und Asiaten auch Menschen aus Kulturen ohne Schriftsprache wie die Palikúr, die im Amazonaswald leben, und Sprecher des Daakie auf der Insel Ambrym im südpazifischen Vanuatu. Bei den Tests hörten die Probanden eine lautmalerische Vokalisation und sollten sie dann einer Bedeutung aus einer Auswahl von Möglichkeiten zuordnen. Beim Raten nach dem Zufallsprinzip hätten sie dabei mit einer Chance von 17 Prozent richtig gelegen, erklären die Forscher.
Doch aus den Auswertungen ging hervor: Im Durchschnitt lagen die Teilnehmer in allen Sprachen in 65 Prozent der Fälle richtig. Unabhängig vom kulturellen Hintergrund erfassten die Studienteilnehmer die beabsichtigten Bedeutungen der Lautmalereien mit einer Treffsicherheit, die weit über dem reinen Zufall liegt, resümieren die Forscher.
Wie man sich gut vorstellen kann, gab es allerdings eine erhebliche Bandbreite – einige Vokalisationen ließen sich leichter interpretieren als andere. So errieten die Teilnehmer fast immer den Laut für “schlafen” richtig. Daneben konnten sich auch die Bedeutungen „essen“, „Kind“, „Tiger“ und „Wasser“ besonders gut erkennen, am schlechtesten konnten sie hingegen die Lautmalereien für die Bedeutungen „das“, „sammeln“, „stumpf“, „scharf“ und „Messer“ zuordnen.





