
Wie das Team herausfand, tritt Schlafmangel bei Orang-Utans unter anderem in kalten Nächten auf oder wenn sie ausnahmsweise in der Nähe von Artgenossen statt allein schlafen. Aber warum? „Stellen Sie sich vor, Sie bleiben lange mit Ihren Freunden zusammen oder Ihr Mitbewohner schnarcht morgens so laut, dass Sie früh aufstehen müssen. Ich denke, so ähnlich ist es“, erklärt Ashbury. Geselligkeit konkurriert dann mit Schlaf – oder beides kommt sich gegenseitig in die Quere.
Wenn hingegen alles passt, schlafen die Menschenaffen bis zu 13 Stunden. Das klingt auf den ersten Blick nach viel, ist aber wahrscheinlich zwingend nötig, wenn man die anstrengenden Tage der Orang-Utans bedenkt. „Sich durch das Blätterdach bewegen, Nahrung finden, Probleme lösen, soziale Beziehungen pflegen – all das sind anstrengende und kognitiv anspruchsvolle Aufgaben“, betont Ashbury.
Die untersuchte Population auf Sumatra gilt zudem als eine der kulturell komplexesten überhaupt. Sie nutzt Werkzeuge und zeigt beeindruckende Problemlösefähigkeiten. Guter Schlaf ist daher umso wichtiger für die grauen Zellen der Menschenaffen. Oder ist es vielleicht doch anders herum? „Entweder benötigen sie diese hochwertigen Nickerchen, um ihre kognitiven Anforderungen zu erfüllen, oder ihre kognitiven Fähigkeiten entstehen dadurch, dass sie so oft hochwertige Nickerchen in Tagesnestern machen“, sagt Seniorautorin Caroline Schuppli vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. In jedem Fall gilt: Ein Hoch auf das Nickerchen!




