Ein gewisser Trost besteht allenfalls in der Tatsache, dass dieser Prozess nicht bei allen Menschen gleich schnell und gleich ausgeprägt vonstattengeht, da er maßgeblich von inneren und äußeren Faktoren beeinflusst wird. Von innen heraus spielen vor allem der Stoffwechsel und das Immunsystem, aber auch Erbanlagen eine Rolle. Währenddessen trägt von den äußeren Einflüssen insbesondere häufige Sonnenbestrahlung zur Faltenbildung bei. Aber auch starkes Rauchen lässt die Haut erheblich schneller altern. Da dieser Prozess so gut wie nichts mit dem Verlust von Flüssigkeit zu tun hat, kann man ihn durch reichliches Trinken auch nicht aufhalten.
An dieser Tatsache ändert auch eine viel zitierte Studie von Wissenschaftlern der Charité in Berlin nichts. Die Forscher ließen sechs Frauen zwischen 25 und 35 Jahren jeweils einen halben Liter Leitungswasser trinken und maßen anschließend mit einem neu entwickelten, nicht invasiven Verfahren etwaige Stoffwechselveränderungen im Inneren der Haut. Tatsächlich zeigte sich, dass die geringe Flüssigkeitsmenge ausreichte, um deren Durchblutung signifikant zu steigern – was natürlich eine verbesserte Sauerstoffversorgung zur Folge hatte. Daraus zogen die Wissenschaftler den allgemeinen Schluss, Wasser zu trinken sei gut für die Haut.
Doch das beantwortet noch lange nicht die Frage: Wird die Haut durch reichliches Trinken sichtbar glatter? Genau das ist offensichtlich nicht der Fall. In der überaus umfangreichen Liste medizinischer Untersuchungen und Analysen findet sich tatsächlich nicht eine einzige, die einen Effekt von reichlichem Trinken auf Aussehen und vor allem Glätte der Haut belegt. Weder wirkt die Haut nach reichlicher Wasseraufnahme straffer und jugendlicher, noch werden Falten erkennbar reduziert. Entsprechend heißt es auch auf der Internetseite der Hautmedizin Bad Soden, eines der größten dermatologischen Zentren in Deutschland, lapidar: „Wasser trinken spendet der Haut KEINE Feuchtigkeit!“
Der beste Weg, die Haut von außen mit Flüssigkeit zu versorgen, ist die Verwendung spezieller Feuchtigkeitscremes. Doch auch die können allenfalls das subjektive Hautgefühl verbessern, sind aber keineswegs in der Lage, deren Struktur grundlegend zu verändern oder gar tiefere Falten zu beseitigen.
Phänomenal
JÜRGEN BRATER studierte Medizin und Zahnmedizin und war neben seiner Praxistätigkeit viele Jahre in der Ausbildung medizinischer Hilfsberufe tätig. Er hat zahlreiche populär-medizinische Bücher geschrieben: „Das Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge“, „Blut tut gut“, „Es lebe die Leber“ und „Das Gesundheitsnavi“.





