Wie KI bei der Beobachtung und Erfassung von Tieren helfen kann, wird mit zahlreichen Beispielen belegt: etwa wenn es um Wildtiere in unübersichtlichem Terrain, bei Nacht oder dichter Vegetation sowie im offenen Meer geht. Oder bei der Zählung von Elefanten an einem Ort und dem Verlauf ihrer Wanderungsbewegungen. Doppelzählungen beim Zug der Kraniche werden vermieden. Die schönen und scheuen Belugawale können dank einer KI namens „You Only Look Once“ besser identifiziert und individuell analysiert werden.
Zwar sind die Übergänge zwischen einzelnen Abschnitten nicht immer geschmeidig, doch spüren wir so, dass es sich um ein menschengemachtes und kein KI-generiertes Buch handelt. Die nachvollziehbaren Ausführungen über Theorie und praktische Umsetzungen sowie die Darstellung diverser Forschungsmodelle werden um Grafiken, Fotos und Infokästen angereichert, etwa zum Leberegel, zu tierischen Seismografen oder wertvollen Manganknollen.
Auf ein Problem weisen Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg eindringlich hin: dass KI eine große Menge an natürlichen, teils seltenen Ressourcen benötigt. Wie also mit KI die Natur schützen, wenn deren Ver- und Anwendung so viel Energie verbraucht, dass Biodiversität verloren geht? Ideen und Optimierungsoptionen liefern die Autorinnen ebenso, wie sie nicht verschleiern, dass sie die Schutz-Weisheit nicht mit Blättern gefressen haben.
Rezension: Alexander Schramm
Frauke Fischer, Hilke Oberhansberg
Kann KI die Natur retten?
oekom Verlag, 216 S., € 26,–
ISBN 978–3–98726–163–3




