Die Welt wird allerdings so schnell nicht untergehen. Denn die Erde ist ein ausgewachsener Planet. Den kriegen wir nicht so schnell kaputt, auch nicht unter größten Anstrengungen. Das Ende unserer Zivilisation liegt da schon eher in unserer Reichweite, aber keine Sorge, wir wollen uns in dieser Kolumne nicht mit Untergangsvisionen beschäftigen oder darüber sinnieren, wann das Ende der Welt kommt oder wie, wenn es kommt. Sondern wir wollen uns mit einer selten gestellten Frage befassen: Wo ist eigentlich das Ende der Welt?
Blöde Frage, könnte man denken: Die Erde ist eine Kugel, und da gibt es kein Ende. Aber das wäre erstens zu einfach, und zweitens wäre diese Kolumne dann auch schon wieder aus. Also halten wir fest: Die Frage ist gut, und die Erde ist keine Kugel. Doch bevor die Fans der flachen Erde jetzt zu jubeln beginnen: Eine Scheibe ist unsere Welt natürlich auch nicht. Das wissen wir schon lange. Sogar die alten Griechen haben das schon gewusst, obwohl sie damals noch gar nicht so alt waren. Die Menschen, die sich die Erde als Scheibe vorgestellt haben, haben gelebt, als die alten Griechen noch nicht einmal jung waren – in Mesopotamien oder im sehr alten Ägypten zum Beispiel. Die Argumentation lief damals in etwa so: Wenn man sich die Welt so anschaut, dann sieht sie im Wesentlichen flach aus. Und wenn man lange genug in irgendeine Richtung läuft, dann kommt man immer ans Meer. Daraus folgt: Die Erde ist eine flache Scheibe, die im Wasser schwimmt. Und dahinter kommt das Ende der Welt.
Aus damaliger Sicht ist das eine halbwegs gültige Schlussfolgerung, aber wenn man sich ein bisschen mehr Mühe gegeben hätte, hätte man auch damals schon merken können, dass das Quatsch ist. Dazu muss man nur die Sterne anschauen und bemerken, dass die Sternbilder unterschiedlich hoch am Himmel stehen, je nachdem, wie weit nördlich oder südlich man sich befindet. Und manche Sternbilder sieht man überhaupt nur, wenn man weit genug nach Süden geht. Das funktioniert nur mit einer gekrümmten Erdoberfläche. Der Schatten, den die Erde bei einer Mondfinsternis wirft, ist ebenfalls rund. Dass die Erde keine Scheibe ist, wissen wir seit Jahrtausenden, und wer heute noch an eine flache Erde glaubt, muss buchstäblich das gesamte Wissen der Menschheit ignorieren.
Die Erde ist keine Kugel
Aber zurück zum Ende: Auf einer kugelförmigen Erde gibt es das nicht. Streng genommen ist die Erde aber gar nicht kugelförmig. Sondern sie hat die Form eines Geoids, was so viel heißt wie „erdförmig“. Die Erde ist also erdförmig, jetzt wissen Sie Bescheid, gern geschehen! Und was heißt das nun? Tatsächlich ist die Erde eine etwas abgeplattete Kugel. Die Distanz vom Erdmittelpunkt zum Äquator ist circa 21 Kilometer länger als die Distanz vom Mittelpunkt zu den Polen. Viel ist das nicht, ein halber Marathon, aber es gibt noch weitere Unregelmäßigkeiten, und weil es die Wissenschaft halt sehr genau nimmt, hat man das Geoid als Form zur Beschreibung der Erde eingeführt. In der hitzigen Diskussion mit Flacherdlern kann man aber problemlos auf das komplexe Geoid verzichten und dem Gegenüber auf gut Österreichisch zurufen: „Heast, die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel – reiß dich zam, du Fetznschädl!“ (In echt würde man aber ein anderes Wort als „Fetznschädl“ verwenden, das in dieser Kolumne jedoch nicht gedruckt werden darf.)





