Spielend am Computer lernen
Kann – und soll – man Kindern schon im Vorschulalter Schreiben und Lesen beibringen? Damit beschäftigt sich Barbara Kochan, seit sie nach sechs Jahren Lehrtätigkeit an einer Grundschule 1972 als Dozentin für Grundschuldidaktik an die damalige Pädagogische Hochschule Berlin wechselte. 1986 gründete sie an der TU Berlin eine „Schreibwerkstatt”, in der sie sieben- bis zehnjährige Kinder an den Computer setzte. „Das war ausgesprochen frech, denn dass Kinder in diesem Alter am Computer Texte schrieben, wurde damals gar nicht gerne gesehen. Man legte vielmehr Wert darauf, dass die Kleinen mit der Hand auf Papier schrieben”, erinnert sich die heute 62-Jährige. Danach entwickelte Barbara Kochan gemeinsam mit ihrer Kollegin Elke Schröter eine Software, mit der Kinder Lesen und Schreiben am Rechner lernen.
„Kinder können ab drei Jahren ganz ohne die Hilfe Erwachsener diese Software benutzen und spielerisch erfahren, wie man Gedanken sichtbar machen kann”, erklärt Kochan. Über 3000 Kinder an Kindertagesstätten testeten das Programm, Erzieherinnen wurden speziell geschult, und eine wissenschaftliche Studie dokumentierte das Ergebnis. Kochan erinnert sich: „Wir waren völlig überrascht vom Erfolg des Programms. Nach sechs Monaten freiem Spiel mit der Software konnten viele Kinder schreiben, wenn auch nur lautgetreu und nicht orthografisch richtig. Außerdem konnten sie erstaunlich gut lesen. Kinder, die vorher Probleme mit der deutschen Sprache hatten, verbesserten außerdem ihre Sprachkenntnisse erheblich. Eltern und Erzieherinnen waren von den Erfolgen der neuen Software begeistert.”
Inzwischen gibt es eine zweite, sogar preisgekrönte Version des Sprachprogramms: „LolliPop und die Schlaumäuse”. Kochan: „Das Entscheidende ist, dass die Kinder, egal von welchem Sprachniveau sie starten, beim Spielen Erfolg haben. Das weckt ihren Ehrgeiz und motiviert sie dazu, weiterzulernen.”
Sorge macht der Didaktik-Expertin allerdings die Sparpolitik des Berliner Senats. Ihr Projekt endet 2007, außerdem werden an der TU Berlin keine Grundschullehrer mehr ausgebildet. Kochan bedauert: „Damit geht eine bundesweit einzigartige Einrichtung unter, die sich – international stark beachtet – um die Innovation des Lernens in Grundschule und Kita verdient gemacht hat.”





