Es müssen also dringend effektive Strategien gegen Betrug her, um die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu erhalten, leiteten die beiden daraus ab. Um jedoch solche Strategien entwickeln zu können, müsse man erst einmal die Gründe für dieses kriminelle Verhalten kennen. Diese zu identifizieren, sei jedoch schwierig, da die meisten Fachjournale eine Rücknahme nur sehr kurz und mit sehr allgemeinen Beschreibungen kommentierten. Daher entschieden die Forscher sich, zunächst einmal mehr Daten über die Urheber solcher Betrugsfälle zu sammeln, um dann möglicherweise auch mehr über die Gründe und Antriebe ableiten zu können.
Herr Professor neigt zum Betrug
Zwischen 1994 und 2012 gab es 228 individuelle Verdachtsfälle, zeigten die Daten des Büros für Forschungsintegrität. 215 davon wurden später als Betrug eingestuft. Sie hätten eigentlich erwartet, dass es vor allem Doktoranden und Studenten seien, die Daten schönen oder fälschen, berichten die Wissenschaftler. Schließlich stünden diese unter enormem Erfolgsdruck und seien auf gute Ergebnisse angewiesen, um in der Hierarchie aufsteigen zu können. In der Realität verteilten sich die Fälle jedoch auf alle Hierarchiestufen: Nur 16 Prozent entfielen auf die Doktoranden, 25 Prozent auf Postdocs, 28 Prozent auf anderes Forschungspersonal wie Techniker und Gastdozenten und sogar 32 Prozent auf vollwertige Fakultätsangehörige.
Für die Wissenschaftler überraschend war auch die Geschlechterverteilung: In allen Stufen waren Männer häufiger beteiligt, als sie es nach der allgemeinen Statistik eigentlich hätten sein dürfen, berichtet das Team. So sind rund 45 Prozent der Doktoranden in den Biowissenschaften männlich, unter den Betrügern waren jedoch 58 Prozent Männer. Bei den Postdocs beträgt die allgemeine Männerquote etwa 60 Prozent, während sie bei den Betrugsfällen bei 69 Prozent lag. Und bei den Dozenten und Professoren, von denen insgesamt 70 Prozent Männer sind, lag sie sogar bei 88 Prozent. Konkret heißt das: Von den 72 Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei den Fakultätsangehörigen waren nur neun auf Frauen zurückzuführen – das ist nicht einmal ein Drittel der Zahl, die nach der Statistik zu erwarten gewesen wäre.
Biologie gegen Gesellschaft





