Sprache ermöglicht raffinierte Informationsübertragung und Kooperation – unsere komplexe Kommunikationsfähigkeit bildete zweifellos ein Schlüsselelement in der Erfolgsgeschichte der Spezies Mensch. Doch auch einige Tierarten besitzen teils hochentwickelte Kommunikationssysteme, wie zahlreiche Studien belegen. Vor allem verschiedene Vertreter unserer eigenen Säugetiergruppe – der Primaten – nutzen Konzepte, um Informationen durch Laute oder Zeichen untereinander auszutauschen. Diese legt nahe, dass diese Kommunikationsformen letztlich auch die Grundlage der Evolution der menschlichen Sprachfähigkeit bildeten.
Begriffe für „Schlange“,„Leopard“ oder „Adler“
In diesem Zusammenhang beschäftigen sich Wissenschaftler bereits seit einiger Zeit mit dem interessanten Alarmrufsystem bestimmter Affenarten. Unter anderem handelt es sich dabei um die in Afrika beheimateten Grünmeerkatzen. Die südlichen Vertreter dieser Primaten warnen ihre Artgenossen vor Raubfeinden mit speziellen Warnrufen, die „Schlange“,„Leopard“ oder „Adler“ bedeuten. Es gibt bei den Südlichen Grünmeerkatzen (Chlorocebus pygerythrus) also jeweils einen spezifischen Ausdruck für diese Bedrohungen. Das macht Sinn, denn so können die Tiere mit anpassten Schutz-Strategien reagieren: Beim Ruf „Schlange“ stellen sich die Affen auf zwei Beine und verharren reglos, beim Ruf „Leopard“ klettern sie hingegen auf einen Baum und beim Ruf für „Adler“ suchen sie den Himmel ab und verstecken sich.
Im Fokus der Forscher um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen standen nun allerdings nicht die Südlichen Grünmeerkatzen, sondern deren Verwandte – die Westlichen Grünmeerkatzen (Chrocebus sabaeus). Der interessante Aspekt: Deren Alarmrufsystem unterscheidet sich in einem Punkt: Die Westlichen Grünmeerkatzen verwenden zwar ebenfalls Warnrufe für Leoparden und Schlangen, da sie aber in ihrem Lebensraum nicht durch Adler bedroht werden, waren bisher keine Rufe für Raubfeinde aus der Luft bekannt. Im Rahmen ihrer Studie gingen die Forscher nun der Frage nahe: Lässt sich dies vielleicht künstlich provozieren?
Um zu untersuchen, wie die Westlichen Grünmeerkatzen auf eine unbekannte Bedrohung aus der Luft reagieren, haben die Forscher Affengruppen in der Nähe der DPZ-Forschungsstation Simenti im Senegal mit einer Drohne in Aufregung versetzt: Sie ließen das surrende Gerät über die Tiere hinwegfliegen. Die Geräusche der Drohne wurden dabei aufgezeichnet, um sie den Tieren später vorspielen zu können. So wollten die Forscher überprüfen, inwieweit die Tiere gelernt haben, welche Bedeutung die Töne haben.
Achtung Drohne!
Bei den entsprechenden Playback-Experimenten zeigte sich: Einige Tiere suchten auffällig den Himmel ab und versteckten sich, wenn das Drohnengeräusch aus Lautsprechern ertönte. Aus diesen Reaktionen schließen die Forscher, dass die Tiere sehr schnell lernten, mit was die Töne verknüpft sind. Außerdem reagierten die Tiere auf die Drohnengeräusche tatsächlich mit bestimmten Warnrufen. Die Untersuchungen dieser Laute ergaben: Sie unterscheiden sich deutlich von den bekannten Rufen, welche die Tiere bei Bedrohung durch Schlangen oder Leoparden ausstoßen. Interessanterweise haben die Westlichen Grünmeerkatzen aber keinen wirklich neuen Warnruf kreiert: Wie die Forscher berichten, ähnelten die Rufe denjenigen, die ihre Verwandten – die Südlichen Grünmeerkatzen – ausstoßen, wenn sich ein Adler aus der Luft nähert.





