Ein großer Weinzahn ist er nicht gerade. Wie die meisten Menschen, die sich gerne mal ein Gläschen Rebensaft gönnen, erkannte auch Klaus Danzer bisher erst am Morgen danach, ob der Tropfen sein Geld auch wirklich wert war. Doch damit ist nun Schluss: Dank modernster analytischer Methoden kann der Chemiker aus Jena jetzt Rebsorte und Anbaugebiet eines Weines so sicher wie ein Profiverkoster ermitteln.
Im Gegensatz zu den Experten, die einen Wein am Geschmack erkennen, bedient sich Danzer aufwändiger atom- und massenspektroskopischer Verfahren. „Aber darin liegt nicht die eigentliche Kunst”, verrät der Wein-Chemiker, „viel schwieriger ist es, mit den riesigen Datenmengen umzugehen, die den Charakter der verschiedenen Rebsorten aus chemischer Sicht ausmachen.” Rechentechnisch löst er das Problem mit eigens entwickelten Programmen zur Mustererkennung: Jeder Wein hat sein spezifisches Profil an Inhaltsstoffen, so dass sich Silvaner von Riesling oder Trollinger von Burgunder objektiv unterscheiden lässt.
„Wein als Substanzgemisch ist für einen Chemiker interessant, weil er so komplex ist”, meint der Wissenschaftler trocken. „ Immerhin sind inzwischen über 1000 verschiedene Inhaltsstoffe bekannt, aber wir konzentrieren uns auf rund 60 organische und 35 anorganische Substanzen.” Die organischen verraten die Rebsorte mit einer Treffsicherheit von 97 Prozent, das Anbaugebiet geben die anorganischen Bestandteile mit einer Trefferquote von immerhin 90 Prozent richtig an.
Bei seinem feuchtfröhlichen Forschungsprojekt mangelt es Danzer nicht an begeisterten Mitarbeitern. Sie kommen sogar aus Spanien, Italien und Ungarn nach Jena, um die Geheimnisse ihrer heimatlichen Weine auf molekularer Ebene zu lüften. Das soll aber nicht heißen, dass in dem Team nur Weinliebhaber gefragt sind. So sorgt ein chinesischer Mitarbeiter mit seinen mathematischen Kenntnissen letztlich dafür, dass aus der vorliegenden Datenflut auch wirklich der richtige Wein berechnet wird.
Ende des Jahres geht Klaus Danzer in den Ruhestand. Aber sein Team aus wahren Kennern und Könnern wird sich weiterhin den edlen Tropfen widmen. Dafür wird seine rechte Hand Manfred Reichenbecher sorgen, der das Projekt mit einer chilenischen Forschergruppe sogar noch ausweiten will.
Hans Groth




