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Händigkeit: Übung macht eine Hand dominant
Gesellschaft & Psychologie

Händigkeit: Übung macht eine Hand dominant

Mit welcher Hand wir geschickter sind, beruht einer neuen Studie zufolge vor allem auf Übung. · Foto: © Edson De la O / Santa Fe Institute

Ob wir mit rechts oder links schreiben, ist nur zum Teil angeboren. Eine Studie legt nun nahe, dass unsere dominante Hand vor allem dadurch die geschicktere wird, dass wir sie von klein auf mehr trainieren. Bei ungewohnten feinmotorischen Aufgaben – etwa Schreiben mit dem Ellbogen – ist dagegen keine Seite im Vorteil. Die Unterschiede liegen demnach weniger in der Spezialisierung der Hirnhälften als in der Nutzung der Hände.
Autor
Elena Bernard
02. Juli 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesellschaft & Psychologie

Wenn wir sagen, dass wir Rechts- oder Linkshänder sind, meinen wir damit eigentlich zwei Dinge zugleich: Wir bevorzugen eine unserer Hände für die meisten Aufgaben, und wir sind mit dieser Hand geschickter. „Auch wenn diese beiden Aspekte – Präferenz und Dominanz – oft miteinander vermischt werden, ist es wichtig, sie getrennt zu betrachten“, argumentiert ein Team um Ahmet Arac von der University of California in Los Angeles.

Die Präferenz für eine Hand bildet sich Studien zufolge schon im Mutterleib heraus, beruht also dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zufolge sehr wahrscheinlich auf angeborenen, biologischen Ursachen. Doch sorgen diese biologischen Ursachen automatisch dafür, dass die bevorzugte Hand auch später die geschicktere ist? Verschafft beispielsweise die Dominanz einer Gehirnhälfte einer Hand einen Vorteil? Oder entwickeln wir unsere dominante Hand vor allem durch Training?

Dominante Hand geschickter mit Werkzeugen

Um diese Frage zu beantworten, unterzogen Arac und seine Kollegen erwachsene Rechtshänder einer Reihe von Experimenten: Für den ersten Versuch sollten die Testpersonen jeweils mit der rechten und der linken Hand bestimmte Punkte berühren, wobei das Forschungsteam ihre Bewegungen per 3D-Motion-Capture aufzeichnete. In einer erschwerten Variante bekamen die Freiwilligen dabei entweder Gewichte an die Handgelenke geschnallt oder einen Stock, mit dem sie die Punkte berühren mussten.

„Bei der gewöhnlichen Greifbewegung war die dominante Seite kaum oder gar nicht im Vorteil“, berichtet das Forschungsteam. Egal ob mit rechts oder links, steuerten die Testpersonen zielstrebig den jeweils richtigen Punkt an. Das galt auch, wenn die Bewegung durch Gewichte erschwert wurde. „Im Gegensatz dazu konnten die Testpersonen die Bewegungen eines am Unterarm befestigten Stabes mit der nicht-dominanten Seite deutlich schlechter kontrollieren.“ Sobald also Werkzeuge ins Spiel kamen, erreichten alle Personen mit der dominanten rechten Hand wesentlich präzisere Ergebnisse.

Schreibtraining mit dem Ellbogen

Ein ähnliches Resultat zeigte sich im zweiten Experiment, in dem die Freiwilligen zunächst mit der rechten und linken Hand den Buchstaben A sowie die Zahl 8 schreiben sollten. Erwartungsgemäß war ihr Schriftbild mit links deutlich krakeliger. Doch dieses Ergebnis allein ermöglicht noch keine Rückschlüsse darauf, ob unterschiedlich ausgeprägte motorische Fähigkeiten der beiden Hirnhälften die Ursache sind, oder einfach Übung. Schließlich haben alle Testpersonen seit ihrer Kindheit mit der rechten Hand geschrieben, während ihre linke Hand entsprechende Bewegungsabläufe kaum trainieren konnte.

Also modifizierten Arac und sein Team das Experiment: Sie banden den Freiwilligen einen Stift an den Ellbogen und baten sie, damit die vorgegebenen Buchstaben und Zahlen zu schreiben. Die Idee dahinter: Wenn das Gehirn tatsächlich eine Seite begünstigt, sollte das auch für den Ellbogen gelten. Liegen dagegen vor allem Übungseffekte zugrunde, dürfte keine Seite im Vorteil sein, da keine der Testpersonen jemals zuvor mit dem Ellbogen geschrieben hat.

Tatsächlich bestätigte sich der zweite Fall: „Die Dominanz der rechten Seite verschwand, wenn mit einem neuartigen Effektor, dem Ellbogen, geschrieben wurde“, berichten die Forschenden. Durften die Testpersonen anschließend das Ellbogen-Schreiben üben, verbesserten sich beide Seiten auf ähnliche Weise. Am Ende des Trainings konnten viele der Probanden mit dem linken Ellbogen sogar akkurater schreiben als mit der linken Hand.

Präferenz führt zu Dominanz

Aus Sicht der Forschenden liefern diese Ergebnisse einen deutlichen Hinweis darauf, dass das, was wir landläufig als Rechts- oder Linkshändigkeit bezeichnen, zu einem großen Teil auf Übung beruht. „Unsere Ergebnisse definieren die Dominanz einer Seite als erlernte, werkzeugspezifische Bewegungsbahnsteuerung und nicht als allgemeine dynamische Überlegenheit“, schreiben sie. Doch auch wenn die Dominanz einer Hand nicht von Geburt an festgelegt ist, trägt die angeborene Präferenz für eine Seite dazu bei, dass aus der präferierten Hand auch die dominante Hand wird.

„Man bevorzugt seine dominante Hand nicht, weil sie geschickter ist“, sagt Co-Autor John Krakauer von der Johns Hopkins University in Baltimore. „Sie wird geschickter, weil man sie bevorzugt. Und man würde keinen Unterschied zwischen den beiden Händen bemerken, gäbe es nicht Werkzeuge und Gegenstände in der Welt, deren geschickter Umgang Übung erfordert.“ In zukünftigen Studien wollen die Forschenden auch Menschen untersuchen, bei denen Präferenz und Praxis voneinander abweichen, darunter umerzogene Linkshänder sowie Menschen, die ihre ursprünglich bevorzugte Hand nicht mehr benutzen können, beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls.

Quelle: Ahmet Arac (University of California, Los Angeles, USA) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2601569123

AngeborenDominanzHändigkeitLateralitätLinkshänderPräferenzRechtshänder

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