Das Leben beschert uns bekanntlich nicht nur Glück und Freude – wir werden auch mit dunklen Erfahrungen konfrontiert, die psychisch stark belasten können. Viele Menschen können aber sogar nach schweren Schicksalsschlägen oder schrecklichen Erfahrungen ein normales Leben weiterführen. In der psychologischen Fachsprache wird diese Fähigkeit als Resilienz bezeichnet. Bei einigen Menschen ist sie jedoch vergleichsweise schwach ausgeprägt: Sie entwickeln im Zuge von traumatischen Belastungen psychische Probleme. Häufig prägen dann Niedergeschlagenheit, Motivations- und Antriebsverlust das Leben der Betroffenen – Kennzeichen einer Depression.
Vor dem Hintergrund dieser individuellen Unterschiede liegt nahe: Eine Förderung der Resilienz durch bestimmte Behandlungsformen könnte die Anfälligkeit der empfindlichen Personen für Depressionen senken. Doch dazu müssten erst die Entwicklungsmechanismen der Resilienz geklärt und Modellsysteme für ihre Erforschung etabliert werden. Im Fokus der Studie der Forschenden um Sarah Mondoloni von der Universität Lausanne stand dabei nun ein bekannter Effekt, der zu mehr Resilienz führen kann: Wenn wir mitbekommen, wie andere eine bestimmte traumatische Erfahrung überstanden haben, kann dies unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber der Entwicklung psychischer Probleme nach ähnlichen Erfahrungen stärken.
Bei Mäusen nachgewiesen
Bei ihrer Studie sind die Forschenden zunächst der Frage nachgegangen, inwieweit diese Form der emotionalen Ansteckung auch bei Mäusen auftritt. Denn die Nager können bekanntermaßen auf traumatische Erlebnisse ebenfalls mit Depressions-ähnlichen Verhaltensweisen reagieren und dienen deshalb bereits als Modell zur Erforschung mancher Aspekte der menschlichen Form. Bei den Experimenten wurde eine „Beobachter-Maus“ in die Nähe einer zweiten Maus gesetzt, die unangenehmen Elektroschocks an den Pfoten ausgesetzt wurde. Sie beobachtete dabei also, wie die Kollegin litt, die Prozedur aber überstand.
Wie das Team berichtet, zeigten die anschließenden Verhaltensanalysen der Versuchstiere: Die Beobachtung des Artgenossen bei der Bewältigung der unangenehmen Erfahrung schützte die Mehrheit der Mäuse davor, depressive Verhaltensweisen zu entwickeln, nachdem sie anschließend selbst der Prozedur ausgesetzt wurden. Bei Versuchstieren, die die traumatischen Erlebnisse ihrer Artgenossen nicht miterlebt hatten, war dies dagegen nicht der Fall. Mit anderen Worten: Offenbar kann auch bei der Maus die Beobachtung anderer bei der Bewältigung einer traumatischen Erfahrung die Fähigkeit zur Resilienz verstärken und somit vor möglichen pathologischen Folgen schützen. Das bedeutet wiederum auch: Die Nager eignen sich als ein Modell zur Erforschung dieses Effekts.





