Entgegen der landläufigen Meinung schadet moderater Stress während der Schwangerschaft nicht der Entwicklung des Kindes im Mutterleib. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanische Studie von Forschern der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. Die Wissenschaftler um Janet A. DiPietro hatten 94 Mütter ab der Mitte der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes begleitet. Die Frauen berichteten während der Schwangerschaft über ihre Ängste, Depressionen und Stress.
Als die Kinder zwei Jahre alt waren, wurden ihre geistige und motorische Entwicklung untersucht sowie ihre Fähigkeit, Verhalten und Emotionen zu kontrollieren. Wider Erwarten stellte sich heraus, dass leichter Stress während der Schwangerschaft sich sogar positiv auf die Entwicklung der meisten Kinder ausgewirkt hatte. Sie waren auch nicht – wie frühere Studien nahe legten – hyperaktiv.
Anders allerdings die Kinder von Müttern, die ihre Schwangerschaft negativ erlebt hatten: Sie waren unaufmerksam und konnten ihre Gefühle insgesamt nur schlecht kontrollieren.
DiPietro erklärt ihre Ergebnisse damit, dass leicht gestresste Frauen etwas mehr vom Hormon Cortisol produzieren, das der menschliche Körper zur Entwicklung der Organe benötigt. „Unsere Studie kann diejenigen werdenden Mütter beruhigen”, sagt sie, „ die befürchten, dass die Ängste und der Stress des modernen Alltags ihr ungeborenes Kind schädigen könnten.”
Doch die Forscher warnen davor, sich während der Schwangerschaft ständig Stress auszusetzen. Dies führe zu Erschöpfungszuständen, was eine schlechte Voraussetzung für die Entbindung sei – und für das spätere Verhältnis zum Kind. Da die Teilnehmerinnen der Untersuchung zum Großteil gut ausgebildet und finanziell abgesichert waren, sind weitere Forschungen nötig, um herauszufinden, ob sich die Ergebnisse der Studie auf alle Frauen übertragen lassen. DiPietro räumt natürlich ein, dass auch die Gene bei der Entwicklung von Kleinkindern eine Rolle spielen.





