Wenn Luft durch Atemtrakt und Lunge strömt, nimmt sie komplexe Fracht auf: Neben dem Kohlendioxid aus unserem Stoffwechsel gibt das Gewebe auch viele flüchtige Substanzen unterschiedlicher Herkunft an die Atemluft ab. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass bestimmte Prozesse im Körper dabei eine charakteristische Signatur hervorrufen, die sich analytisch nachweisen lässt. Mit diesem Forschungsthema befassen sich die Wissenschaftler um Jonathan Williams vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz (MPI-C). Sie konnten bereits zeigen, dass sich auch emotionale Zustände in chemischen Merkmalen der Atemluft widerspiegeln: Durch Analysen der Luft in einem Kinosaal konnten sie charakteristische flüchtige Substanzen nachweisen, die Zuschauer bei spannenden Szenen verströmen.
In ihrer aktuellen Studie haben sie sich nun gemeinsam mit Kollegen aus Portugal und den Niederlanden einer speziellen Form der Spannung zugewandt: „Mit der Studie zur sexuellen Erregung wollten wir testen, ob auch andere starke Emotionen eine Spur im Atem hinterlassen“, sagt Williams. Es lag nahe, dass auch die körperlichen und geistigen Reaktionen, die mit Lustgefühlen einhergehen, spezifische Signaturen hervorrufen. „Um die chemischen Signale zu charakterisieren, haben wir allerdings Tests unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt und nicht unter den komplexen Bedingungen in einem Kino“, so Williams. Zu den pikanten Experimenten erklärten sich zwölf Männer und zwölf Frauen mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren bereit. Ihren persönlichen Angaben zufolge waren sie heterosexuell veranlagt, sexuell aktiv und gesund.
Atemtests im „SexLab“
Bei den Experimenten saßen sie in einem Versuchsraum des sogenannten Research Laboratory on Human Sexuality, kurz SexLab, an der Universität Porto. Dort wurden ihnen auf einem Monitor verschiedene zehnminütige Filmclips in zufälliger Reihenfolge auf einem Monitor präsentiert: Es handelte sich um Stücke aus Natur-Reisedokumentationen, Horrorfilmen, Fußballspielen – und Erotikfilmen. Währenddessen wurde der Atem der Studienteilnehmer kontinuierlich über eine Maske erfasst und auf den Gehalt an über einhundert flüchtigen organischen Verbindungen analysiert. Gleichzeitig untersuchten die Forscher, inwieweit der Erotikfilm bei den Probanden eine sexuelle Erregung auslösen konnte. Einen Hinweis darauf lieferten unter anderem Infrarotaufnahmen der Genitalien, in denen sich erhöhte Durchblutung widerspiegelte. Offenbar hatten die Forscher Glück und zumindest bei einigen Probanden stellten sich auch in der vergleichsweise unerotischen Forschungsatmosphäre Lustgefühle ein.
Wie sich zeigte, stieg bei ihnen beim Start des Erotikfilms die Menge verschiedener flüchtiger organischer Verbindungen in der Atemluft schnell an – andere Verbindungen nahmen hingegen ab: Die Versuchspersonen atmeten weniger Isopren und Kohlendioxid aus, die Konzentration von Abbauprodukten bestimmter Neurotransmitter nahm hingegen zu. „Dass die Konzentration von CO2 und Isopren im Atem sank, könnte daran liegen, dass die Genitalien stärker durchblutet waren, die Muskeln und Lunge dagegen weniger“, erklärt Erstautorin Nijing Wang vom MPI-C. „Bei Männern haben wir Phenol, Kresol und Indol gefunden. Das scheinen typische Indikatoren für eine sexuelle Erregung zu sein“.





