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Elefanten können spontane Impulse unterdrücken
Erde & Umwelt

Elefanten können spontane Impulse unterdrücken

Der direkte Weg ist in diesem Fall nicht der zielführendste: Um an den in der Box befestigten Apfel zu gelangen, müssen die Elefanten von unten statt von vorne danach greifen. · Foto: © Hope et al. / PLOS One, CC-by 4.0

Erst denken, dann handeln: Sehen asiatische Elefanten einen Leckerbissen hinter einer transparenten Barriere, widerstehen sie der Versuchung, direkt mit dem Rüssel danach zu greifen. Stattdessen wählen sie den rationalen Umweg, um die Barriere herumzugreifen – ein Hinweis auf Impulskontrolle. Dieses Ergebnis belegt die kognitive Leistungsfähigkeit der Dickhäuter und könnte zugleich dabei helfen, neue Strategien für ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Elefanten zu entwickeln.
Autor
Elena Bernard
11. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Elefanten bilden komplexe Familienverbände, kooperieren miteinander und können sogar Werkzeuge benutzen. Aber wie steht es um ihre Impulskontrolle, also die Fähigkeit, spontanes Verhalten zu unterdrücken und stattdessen eine weniger offensichtliche, rationalere Lösung zu wählen? „Obwohl Elefanten über große Gehirne verfügen und sich flexibel verhalten, ist über ihre Fähigkeit zur inhibitorischen Kontrolle nur wenig bekannt“, schreibt ein Team um Sydney Hope von der City University of New York.

Umweg statt direktem Zugriff

Um zu testen, wie gut die klugen Dickhäuter ihre spontanen Handlungsimpulse unterdrücken können, stellten die Forschenden sie vor eine klassische Aufgabe zur inhibitorischen Kontrolle: Sie platzierten ein leckeres Stück Apfel in einer transparenten Box, die nur an der Unterseite geöffnet war. Die Vorderseite der Box war durchsichtig und mit kleinen Löchern versehen, sodass die Elefanten den Apfel sehen und riechen konnten. Der auf den ersten Blick naheliegende Weg wäre also, zu versuchen, den Rüssel von vorne in die Box zu stecken.

Als Versuchsteilnehmer dienten acht männliche und acht weibliche asiatische Elefanten zwischen vier und 60 Jahren vom National Elephant Institute in Thailand. Vor dem eigentlichen Experiment gewöhnten die Forschenden sie mit einer nicht transparenten Box daran, mit dem Rüssel von unten in eine Box zu greifen. „Anschließend präsentierten wir ihnen die transparente Box mit den kleinen Löchern auf der Vorderseite, bei der die Lösung weiterhin darin bestand, um die Box herumzugreifen – wobei die Tiere den Impuls unterdrücken mussten, direkt auf das sichtbare Futter und die nach vorne gerichteten Geruchsreize zuzugreifen“, erklären Hope und ihre Kollegen.

Flexible Anpassung

Doch für die Elefanten war das kein Problem: Trotz der irreführenden Verlockung von der Vorderseite steckten sie ihren Rüssel zielgerichtet von unten in die Box und sicherten sich so den Leckerbissen. „Dies könnte auf eine ausgeprägte Fähigkeit hindeuten, den Impuls zum direkten Vorwärtsgreifen zu unterdrücken“, berichten die Forschenden. Denkbar wäre allerdings auch, dass der Reiz durch den Anblick und Geruch des Apfels einfach nicht stark genug war, um die Elefanten ernsthaft in Versuchung zu führen, den ineffektiven direkten Weg zu wählen.

Deshalb testeten die Forschenden eine weitere Form der Impulskontrolle: die Fähigkeit, von erlerntem Verhalten abzuweichen. Dazu drehten sie die transparente Versuchsbox so, dass sich die Öffnung nun an der Seite befand. In diesem Fall brauchten die Elefanten etwas länger, da sie zunächst versuchten, an der gewohnten, nun verschlossenen Seite in die Box zu greifen. Vor allem ältere Individuen tasteten diese Seite mehrfach vergeblich mit dem Rüssel ab, bevor sie sich auf die Suche nach neuen Lösungswegen begaben. „Das könnte möglicherweise auf einen kognitiven Rückgang im Alter hindeuten“, spekulieren die Forschenden.

Konflikte mit Menschen vermeiden

Nach wenigen Durchläufen gelang es jedoch allen Tieren, dem Impuls der Gewohnheit zu widerstehen und sich an die neuen Umstände anzupassen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Elefanten in der Lage sind, spontane Impulse zu unterdrücken – sei es den Impuls, direkt nach einer Futterbelohnung hinter einer durchsichtigen Barriere zu greifen, oder den Impuls, eine zuvor erfolgreiche Technik anzuwenden“, sagt Hope. „Diese Fähigkeit könnte für die sozialen Interaktionen der Elefanten oder für andere Aspekte der Kognition, wie beispielsweise das Lösen von Problemen, von Bedeutung sein.“

Auch für das Zusammenleben von Menschen und Elefanten könnten die Erkenntnisse relevant sein. „Eine der größten Bedrohungen für asiatische Elefanten sind Konflikte zwischen Mensch und Elefant, die entstehen, wenn Elefanten in Anbaufelder eindringen – oft indem sie von Menschen errichtete Barrieren wie Elektrozäune umgehen –, um Pflanzen zu fressen“, erläutern die Forschenden. „Das Verständnis, wie Elefanten in kontrollierten Experimenten mit verschiedenen Arten von Barrieren interagieren und lernen, diese zu umgehen, könnte uns helfen zu verstehen, wie sie in freier Wildbahn von Menschen errichtete Hindernisse meiden oder umgehen.“ Das könnte zu effektiveren Strategien beitragen, Elefanten von Feldern fernzuhalten und sie damit zu schützen.

Quelle: Sydney Hope (City University of New York, USA) et al., PLOS One, doi: 10.1371/journal.pone.0356549

ArtenschutzElefantenImpulskontrolleinhibitorische KontrolleVerhaltensforschung
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