Im Berliner Zoo lebt die asiatische Elefantendame Mary. Sie duscht gern und legt dabei eine beeindruckende Geschicklichkeit beim Umgang mit dem Wasserschlauch an den Tag. Durch Zufall beobachtete die Forscherin Lena Kaufmann von der Humboldt-Universität zu Berlin eines Tages die Elefantendame beim morgendlichen Duschen und filmte sie dabei. Ein Team um Kaufmanns Kollegin Lea Urban beschloss, dieses Verhalten genauer zu analysieren und beobachtete daraufhin intensiv, wie die Berliner Elefantin und ihre Kollegen sich waschen.

„Königin des Duschens“
So fanden die Biologen heraus, dass Mary ihren Körper jeden Morgen rund sieben Minuten lang unaufgefordert systematisch duscht und den Wasserschlauch dabei geschickt an die entsprechenden Stellen ihres Körpers hält. Meist greift sie den Schlauch mit dem Rüssel direkt hinter der Schlauchspitze, um ihn als steifen Duschkopf zu verwenden, und koordiniert ihre Bein- und Rüsselbewegungen miteinander. Um ihren Rücken zu erreichen, wechselt sie hingegen zu einer Art Lasso-Strategie, greift den Schlauch weiter entfernt von seinem Ende und schwingt ihn über ihren Körper. Als die Biologen Mary einen dickeren und schwereren oder aber einen dünneren und flexibleren Schlauch gaben, benutzte sie zum Waschen allerdings lieber ihren Rüssel als diese schwerer handhabbaren Schlauchvarianten, wie das Team berichtet. Auffälligerweise wusch sie mit ihrem Rüssel zudem etwas intensiver ihre rechte Körperhälfte, während sie mit dem Schlauch verstärkt ihre linke Seite abduschte.
„Elefanten sind erstaunlich gut mit Schläuchen. Sie haben in exquisites Verständnis für diese Werkzeuge“, schließt Co-Autor Michael Brecht von der Humboldt-Universität zu Berlin aus den Beobachtungen. Ganz überraschend ist dies nicht, weil die Dickhäuter mit ihrem Rüssel selbst eine Art Mehrzweckschlauch besitzen. Allerdings können nicht alle Elefanten gleichermaßen gut mit dem Schlauch umgehen. Mary ist darin offenbar besonders versiert, ohne es beigebracht bekommen zu haben: „Elefant Mary ist die Königin des Duschens“, sagt Brecht. Sie stellt damit ein weiteres Beispiel für den zielgerichteten Einsatz von Werkzeugen unter Tieren dar, der bereits bei verschiedenen Primaten, Säugetieren und Vögeln beobachtet wurde.






