Manchmal sorgen zu viele Wahlmöglichkeiten dafür, dass es uns schwerfällt, eine gute Entscheidung zu treffen. Wir kennen das aus dem Supermarkt, wenn unzählige Produktvarianten mitunter dazu führen, dass wir aus Überforderung keines davon kaufen, sowie aus dem Online-Dating, wo scheinbar eine unüberschaubare Anzahl potenzieller Partner zur Verfügung steht – und es gerade dadurch schwierig wird, sich für einen davon zu entscheiden. In der Wissenschaft ist dieser Effekt als Auswahlparadox (Choice Overload) bekannt.
Der längste Quaker ist am attraktivsten
Ein Team um Claire Hemingway von der University of Tennessee in Knoxville hat nun festgestellt, dass es den Weibchen des grauen Laubfroschs (Hyla chrysoscelis) ähnlich ergeht wie unentschlossenen Singles beim Online-Dating: Je mehr Männchen sie zur Auswahl haben, desto schlechter können sie sich entscheiden.
Die in Nordamerika heimischen Frösche versammeln sich zur Paarungszeit in der Nähe von Teichen. Dort stimmen die Männchen einen lauten Chor an, um die Weibchen für sich zu gewinnen. Üblicherweise sind diejenigen, die die längsten Quaklaute von sich geben, bei der Damenwelt besonders begehrt. Dennoch kommen offenbar auch Kurzquaker bei der Fortpflanzung zum Zuge. Andernfalls wäre dieses Merkmal im Laufe der Evolution wahrscheinlich verschwunden.
Dating für Froschweibchen
Aber wie entscheiden sich die Frosch-Weibchen für ein Männchen? Um diese Frage zu klären, setzten Hemingway und ihre Kollegen jeweils ein paarungsbereites Froschweibchen in ein Gehege, das ringsum mit Lautsprechern ausgestattet war. Über diese Lautsprecher spielten die Forschenden nacheinander Aufnahmen von männlichen Froschrufen ab – darunter aus einem Lautsprecher ein besonders attraktives, langes Quaken, aus den anderen weniger begehrtes kürzeres Quaken. Hüpfte das Weibchen auf einen der Lautsprecher zu, wertete das Team dies als Entscheidung für das jeweilige Männchen.
Dabei zeigte sich: Standen nur ein langer und ein kurzer Quaker zur Wahl, wählten die Weibchen in 77 Prozent der Fälle den Langquaker. Bei acht gleichzeitigen Werberufen dagegen sank die Quote auf nur noch 25 Prozent. „Mit steigender Anzahl der Rufe wurden die Weibchen ungenauer, brauchten länger für ihre Entscheidung und schoben die Wahl häufiger auf“, berichtet das Team. In einigen Fällen waren die Weibchen so überfordert, dass sie überhaupt keine Entscheidung trafen.
Auswahlparadox oder akustische Schwierigkeiten?
Fielen die Froschweibchen demnach dem Auswahlparadox zum Opfer? Oder konnten sie bei den vielen Rufen einfach akustisch nicht mehr ausmachen, wer am schönsten quakte? Um das zu testen, wiederholten die Forschenden den Versuch, spielten dabei aber nicht nur aus den Lautsprechern im Gehege nacheinander einzelne Froschrufe ab, sondern zusätzlich im Hintergrund einen lauten Froschchor mit zahlreichen überlappenden Rufen. Wäre die akustische Überlastung ausschlaggebend, müssten die Weibchen angesichts der Hintergrundgeräusche unter diesen Bedingungen besonders überfordert sein.
Doch die laute Umgebung hatte kaum Auswirkungen darauf, wie die Weibchen ihre Partner auswählten. Ebenso wie im ersten Experiment hüpften sie in der Variante mit nur zwei Auswahloptionen zuverlässig zu dem Lautsprecher, der das längere Quaken abspielte. Bei vier und acht Optionen dagegen trafen sie nach langem Überlegen häufiger die falsche oder keine Wahl. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, wie kognitive Einschränkungen die Dynamik der sexuellen Selektion beeinflussen können, unabhängig von akustischer Maskierung“, schreiben die Forschenden.
Verbreitet im Tierreich?
Diese Befunde erklären laut Hemingway und ihrem Team auch, warum die sexuelle Selektion bislang nicht dafür gesorgt hat, dass sich nur Langquaker fortpflanzen und die Kurzquaker aus dem Genpool der Laubfrösche verschwinden. „Kognitive Grenzen der Informationsverarbeitung können die Partnerwahl beeinträchtigen“, erklären sie. „Das verdeutlicht eine bisher unterschätzte Einschränkung der sexuellen Selektion.“
Die Forschenden vermuten, dass ähnliches auch für andere Tierarten gilt. „Es gibt viele Tiere, die gleichzeitig mit einer Vielzahl unterschiedlicher Optionen konfrontiert sind und diese miteinander vergleichen müssen“, sagt Hemingway. „Das Auswahlparadoxon könnte ein allgemeines Merkmal von Paarungssystemen sein, in denen sich viele Individuen zugleich versammeln.“
Quelle: Claire Hemingway (University of Tennessee, Knoxville, USA) et al., iScience, doi: 10.1016/j.isci.2026.117086





