Die Erde und ihre Lebenswelt sind relativ robust und haben schon viele Veränderungen überstanden. Doch die Belastbarkeit hat Grenzen. Werden diese überschritten, pendeln sich Prozesse und Kreisläufe in ein neues Gleichgewicht ein – mit schwerwiegenden Folgen für uns Menschen und die Natur. Das Erdsystem wird instabiler, weniger lebensfreundlich und weniger widerstandsfähig gegenüber Schäden. Wo die planetaren Grenzen der Erde liegen, haben Wissenschaftler im Jahr 2009 erstmals definiert.
Nur Ozonschicht und Aerosolbelastung im grünen Bereich
Jetzt gibt es ein Update zum „Gesundheitszustand“ unseres Planeten. Nach diesem sind inzwischen sieben von neun planetaren Grenzen überschritten – eine mehr als noch 2023, wie aus der aktuellen Jahresbilanz des Planetary Health Check hervorgeht. Jenseits des sicheren Bereichs liegt das Erdsystem demnach beim Klimawandel, der Integrität der Biosphäre, der Landnutzung, dem Süßwasserkreislauf, bei den biogeochemischen Kreisläufen, dem Eintrag menschengemachter Substanzen wie Schadstoffen, Plastik und Schwermetallen sowie der Ozeanversauerung.
„Die Diagnose ist eindeutig: Der Druck auf alle planetaren Grenzen nimmt weiter zu. Damit steigt das Risiko großräumiger, langfristiger und potenziell unumkehrbarer Veränderungen. Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen wirksam zu begegnen, immer kleiner“, erklärt Boris Sakschewski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Leitautor des Berichts. Verbessert hat sich die Lage nach diesem nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre.
„Aktuelle Beobachtungen sind ein Warnsignal dafür, dass unser Planet möglicherweise einen Teil seiner Fähigkeit verliert, die zunehmenden, von uns verursachten Belastungen abzupuffern“, sagt Sakschewski.
Vernetzte Systeme
Hinzu kommt, dass die verschiedenen Erdsysteme und ihre planetaren Grenzen eng miteinander verknüpft sind. Gerät eines der Systeme aus dem Gleichgewicht, kann dies den Zustand der anderen verschlimmern. So nimmt die Biosphäre einen großen Teil des vom Menschen emittierten CO2 auf und wirkt so als Puffer im Klimasystem. Wenn jedoch die Vegetation leidet – beispielsweise durch Dürren, Brände und Rodungen, verringert sich diese Pufferwirkung und CO2-Senken können sogar zu CO2-Quellen werden – wie bereits bei einigen Wäldern beobachtet.
Ähnliches gilt für unsere Eingriffe in den Wasserkreislauf: Unser übermäßiger Wasserverbrauch trocknet Ökosysteme aus, verringert den Pegel in Flüssen, senkt den Grundwasserspiegel und schädigt Feuchtgebiete. Dies hat Folgen für die Vegetation, Artenvielfalt und Ökosysteme, verschlimmert aber auch die Auswirkungen von Wetterextremen wie Dürren und Hitzewellen.

Der Zustand der neun planetaren Systeme im Einzelnen. — © Planetary Health Check 2026
„Überall zeigt sich, dass unser Planet in allen Regionen zugleich aus dem Gleichgewicht gerät“, betont Hindou Oumarou Ibrahim, Vorsitzende der Planetary Guardians. „Der Planetary Health Check 2026 untermauert mit Daten, was unmittelbar betroffene Gemeinschaften längst aus eigener Erfahrung wissen. Wir können es uns nicht länger leisten, diese Entwicklungen als voneinander getrennte Krisen zu behandeln.“
Was bedeutet die Überschreitung?
Zwar sind die Überschreitungen der planetaren Grenzen nicht gleichbedeutend mit drastischen, sofort sichtbaren Veränderungen, dennoch markieren sie eine kritische Schwelle. Die Forschenden vergleichen dies mit der menschlichen Gesundheit: Ein zu hoher Blutdruck verursacht nicht sofort einen Herzinfarkt, erhöht aber das Risiko dafür erheblich. „Die Erde ist ein Patient, dem es nicht gut geht“, sagt Co-Autor Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
„Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir wissen, was zu tun ist, und haben die Möglichkeiten und Lösungen, um gegenzusteuern“, so Rockström weiter. „Es ist wichtig, schnell zu handeln, um bei allen planetaren Grenzen in den sicheren Handlungsraum zurückzukehren. Nur so können wir unser Leben und unsere Lebensgrundlagen schützen und Wohlstand für alle auch in Zukunft sichern.“
Quelle: Planetary Health Check 2026, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung





