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Neue Unterart von Eiszeit-Leoparden in Thüringen entdeckt
Erde & Umwelt

Neue Unterart von Eiszeit-Leoparden in Thüringen entdeckt

Dieser rechte Unterkiefer mit Zahnreihe stammt von der neu entdeckten Unterart eiszeitlicher Leoparden (Panthera pardus burgtonnae) aus Thüringen. · Foto: © Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Während des Eiszeitalters gab es gleich zwei große, sehr kräftige Leoparden-Unterarten in Mitteleuropa, wie neue Fossilfunde aus Thüringen belegen. Sie stammen von einer neu identifizierten Unterart von Eiszeit-Leoparden, die vor 125.000 Jahren durch Europa streiften. Später wurden sie von einer zweiten, großen Leoparden-Unterart abgelöst. Doch warum waren diese Eiszeit-Großkatzen so stämmig? Entstanden sie durch Kreuzungen mit Eiszeit-Jaguaren?
Autor
Nadja Podbregar
22. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Tiger, Löwen, Jaguare, Leoparden und Schneeleoparden gehören trotz ihrer Unterschiede in Aussehen und Verbreitung alle zur Gattung Panthera – den echten Großkatzen. Doch wie diese Arten stammesgeschichtlich zusammenhängen und wie viele Unterarten es gab und gibt, ist erst in Teilen geklärt. Dies gilt insbesondere für die während des Eiszeitalters in Europa vorkommenden Großkatzen.

Gängiger Annahme nach gab es im eiszeitlichen Europa neben Schneeleoparden (Panthera uncia), Altweltpumas (Puma pardoides) und den seltenen Jaguaren (Panthera onca) auch Leoparden. So war die Leoparden-Unterart Panthera pardus antiqua während der letzten Eiszeit in Europa weit verbreitet.

125.000 Jahre alter Leoparden-Unterkiefer und Knochen

Jetzt liefern Fossilien aus der Fundstätte Burgtonna in Thüringen erstmals den Beleg dafür, dass es im Eiszeitalter noch eine weitere Leoparden-Unterart in Mitteleuropa gab. Entdeckt haben dies die Paläontologen Helmut Hemmer von der Universität Mainz und Ralf-Dietrich Kahlke von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar bei der Analyse von 125.000 Jahre alten Relikten einer eiszeitlichen Großkatze: einem Unterkieferfragment mit Zähnen, einem Oberkiefer-Backenzahn und mehreren Knochen von Gliedmaßen

„Die Fossilien lagen mehrere Meter tief im Travertingestein und lassen sich dem Eem zuordnen – der globalen Warmzeit vor der letzten Eiszeit“, berichtet Kahlke. Den Analysen zufolge stammen die Fossilien alle von einem weiblichen Tier, das ungewöhnlich groß war: Es war rund 35 bis 40 Kilogramm schwer und hatte eine Körperlänge von 1,07 bis 1,12 Meter. „Verglichen mit heutigen afrikanischen Leoparden entspräche dies einem großen weiblichen Exemplar“, erklären die Forscher.

Stämmig wie ein Jaguar

Der in Thüringen entdeckte Eiszeit-Leopard war jedoch deutlich kräftiger gebaut als heutige Leoparden. Seine Statur ähnelte eher den heutigen Jaguaren oder der schon bekannten Eiszeit-Leoparden-Unterart Panthera pardus antiqua. Doch seine Zähne unterscheiden den neuen Fund von dieser: „Besonders auffällig ist der erste untere Backenzahn der neuen Unterart. Er ist vergleichsweise schmal und niedrig. Gleichzeitig besitzt ein davor liegender Zahn eine ungewöhnlich breite Vorderseite“, berichtet Kahlke.

Zusammen sprechen die Merkmale des Fossilfunds dafür, dass es sich um eine neue, zuvor nicht identifizierte Unterart der europäischen Eiszeit-Leoparden handelt. Die Panthera pardus burgtonnae getaufte Unterart kam in der Eem-Warmzeit vor rund 125.000 Jahren wahrscheinlich auch anderswo in Mitteleuropa vor. Denn die Forscher konnten auch einige Großkatzen-Fossilien aus dem hessischen Mosbach-Sanden und der thüringischen Fundstätte Weimar-Taubach dieser neuen Unterart zuordnen

Wie entstanden die europäischen Eiszeit-Leoparden?

Diese Resultate liefern neue Einblicke in die komplizierte Geschichte der Großkatzen und belegen, dass sich im eiszeitlichen Europa gleich mehrere unterschiedliche Leopardenformen entwickelt haben: Während des späten mittleren und des frühen Spätpleistozäns war die neu identifizierte Unterart Panthera pardus burgtonnae verbreitet. In der letzten Kaltzeit dominierte dagegen die schon länger bekannte Unterart Panthera pardus antiqua.

Ungeklärt ist allerdings noch, warum diese beiden Eiszeit-Leopardenformen so ungewöhnlich stämmig waren: Könnten sie aus einer Kreuzung europäischer Leoparden mit Jaguaren entstanden sein? Fossilfunde zeigen, dass es damals in Europa noch Jaguare gab, wenn auch sehr selten. „Wir wissen zudem, dass Hybridisierungen und Genaustausch in der Evolution der Großkatzen mehrfach vorgekommen sind“, schreiben die Paläontologen.

„Ein Genfluss zwischen den beiden Arten ist daher durchaus denkbar., erklärt Hemmer. Ebenso möglich wäre aber auch, dass sich die Vorläufer der Eiszeit-Leoparden mit Schneeleoparden kreuzten, denn auch diese kamen damals in Europa vor. Ohne genauere molekulargenetische Untersuchungen bleibt daher vorerst ungeklärt, wie die stämmigen europäischen Leoparden entstanden.

Quelle: Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments, 2026; doi: 10.1007/s12549-026-00702-8

EiszeitFossilGroßkatzenLeopardPaläontologieThüringen
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