bild der wissenschaft: Frau Hauswedell, was ist der wichtigste Grundsatz der Friedens- und Konfliktforschung?
Corinna Hauswedell: Interdisziplinarität und ein enger Draht zur politischen Praxis. Friedensforschung ist eine kritische und engagierte Wissenschaftsrichtung, keine eigene Disziplin. Forscher aus verschiedenen Bereichen, auch aus den Naturwissenschaften, arbeiten in diesem Feld der Friedenswissenschaften.
Wie sehr beeinflusst der Zeitgeist diese Wissenschaftsrichtung?
Friedensforschung ist eine Reflexion über politische Prozesse. Und es geht uns darum, für politische Entscheidungen relevant zu sein, politisches Handeln zu beeinflussen – bei den Regierenden und in der Gesellschaft. Dafür müssen wir die Politik reflektieren, kritisch sein und danach fragen, wo und warum Konflikte entstehen – auch in unserer Demokratie.
In diesem Fall denkt man an Pegida, AfD und Gewalttaten gegen Flüchtlinge. Wie könnte man diese Konflikte in Deutschland beilegen?
Dazu gehört auch Medienkritik. Wir müssen aufpassen, dass wir die Spaltung der Gesellschaft nicht dauernd selbst betreiben. Inhaltlich geht es darum, gute Bedingungen für soziale Gerechtigkeit und friedliche Entwicklungschancen zu erforschen. Im Friedensgutachten äußern wir uns vor allem zur internationalen Politik. Das Gutachten gebe ich zusammen mit vier Forschern heraus, die an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung , dem Bonn International Center for Conversion , dem Institut für Entwicklung und Frieden sowie dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg arbeiten.
Lassen Sie uns über den Islamischen Staat (IS) sprechen. Es scheint noch keine passende Antwort auf diese neue Art von Terrorismus zu geben.
Der IS ist nur scheinbar etwas Neues wie der transnationale Terrorismus an sich – aber dem ist nicht so. Die Mechanismen, um mit Gewalt und der extremen Gefährdung von Menschen Aufmerksamkeit zu erlangen und seine Ziele durchzusetzen, ähneln denen des inneren Terrorismus. Der Gewalt- und Terrorismus-Experte Peter Waldmann sagte einmal, der Terrorismus ist vor allem eine Kommunikationsstrategie. Das klingt verharmlosend, ist aber nicht so gemeint. Was Waldmann sagen wollte: Man muss hinhören. Wenn eine Gruppe derart gewalttätig auftritt, dann steckt eine Botschaft dahinter. Das heißt, wir sollten dem IS nicht nur militärisch entgegnen – das müssen wir schon auch, um die Gewalt einzugrenzen –, aber wir müssen auch versuchen, die Botschaft zu verstehen. Da sind wir noch ganz am Anfang.






