Es ist kaum möglich, „das Deutsch” der Zukunft vorauszusagen, weil es in der gesprochenen Sprache viele Varianten gibt, die sich zum Teil stark vom Schriftdeutsch unterscheiden. „Sogar der Bundespräsident würde in einer Ansprache ‚gebm‘ und nicht ‚geben‘ sagen”, stellt die Sprachexpertin Heike Wiese fest. Die Standardisierung einer Sprache ist eine politische Vereinbarung, die in Deutschland im 18. Jahrhundert stattfand und die nirgendwo so stark ist wie hierzulande. Bis die Sprache vereinheitlicht wurde, pflegte in den zersplitterten Fürstentümern jeder seinen eigenen Dialekt. „Verständigen konnten sich die Leute trotzdem”, ist Wiese überzeugt.
Das gesprochene Deutsch bezeichnet der Romanist Jürgen Trabant gerne als „Straßenköter”. Es besteht zum Teil aus Lehnwörtern, die unter anderem aus dem Lateinischen, Englischen und Französischen kommen, zum Teil aus Dialekten. Die meisten deutschen Dialekte werden in 100 Jahren ausgestorben sein, erwartet der Tübinger Linguist Gerhard Jäger. „Wenn es Vereine zur Pflege der Dialekte geben muss, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass sie bereits verloren sind.”
Das Hochdeutsche hat dagegen einige einzigartige Vokabeln, die sogar Exportschlager sind, weil in vielen Sprachen entsprechende Wörter fehlen – etwa „Schadenfreude”, „Weltschmerz”, „ Kindergarten” und „Katzenjammer”. Auch in einer anderen Disziplin ist Deutschland Weltklasse: im Wortketten bilden. Die meisten Wörter im Duden haben 11 Buchstaben, aber es gibt eins mit 67. Es kommt natürlich aus der Behördensprache und lautet: Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeits- übertragungsverordnung.





