bild der wissenschaft ist deutsch geschrieben. Aber: Dieses „ Zur Sache” ist in Deutsch geschrieben. Sie staunen? Der Duden erklärt: Wenn man nach „deutsch” mit „wie?” fragen kann, wird der Begriff klein geschrieben. Mit einem Großbuchstaben beginnt er dagegen, wenn es um die „deutsche Sprache an sich” geht. Auf gut Deutsch gesagt: Die Sprache steckt voller Pferdefüße. Doch das ist nur eine Dimension unseres Sprachgebrauchs, wie das Folgende zeigt: Ein Mittelständler, lokalisiert in einer Stadt im bodenständigen Schwabenland, lud in diesen Tagen zu seinen „ Expertdays 2010″ ein. Anders als in den Jahren zuvor war die Einladung diesmal ganz und gar auf Englisch verfasst. Und das, obwohl die meisten Angesprochenen Deutsch als Muttersprache sprechen – wie ich sicher weiß. In derselben Kommune wurde vor Kurzem eine Grundschule renoviert. Alle, die diese Schule betreten, lesen dort nun, dass sie sich in der „hölderlin grundschule” befinden. Warum sollen die Schüler den Namen ihrer Schule „im richtigen Leben” dann mit Großbuchstaben beginnen lassen? Was ich hier an einem konkreten Fall dokumentiere, passiert auch anderswo in unserem Land – tagtäglich. Und: Wie ist das denn mit bild der wissenschaft? Täten wir gut daran, wenigstens auf Versalien umzusteigen, wie eingangs ausnahmsweise einmal von mir versucht?
Welche Zukunft hat unsere Sprache? Die Sprachwissenschafter sind sich einig – wie unsere Titelgeschichte belegt: Deutsch wird es noch in 100 Jahren geben, wenn auch in einer etwas anderen Form als heute. Das sagen übereinstimmend alle Professoren, die bdw-Redakteurin Cornelia Varwig befragt hat. Ihr spannender Report beginnt auf Seite 64. Von uns allen hängt indes ab, wie stark unsere Sprache künftig verbreitet sein wird, „von unserem Selbstbewusstsein, wie unverkrampft wir mit unserer Sprache umgehen”, erklärt der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, im anschließenden Interview.
In diesem Monat präsentieren wir Ihnen eine Titelgeschichte, die gänzlich anders ist als sonst. Ihre Meinung dazu interessiert mich gleich in doppelter Weise: Einmal, um herauszufinden, ob solche Beiträge Ihrer Meinung nach in bild der wissenschaft etwas zu suchen haben. Zum anderen interessiert mich Ihre Meinung auch deshalb, weil wir gerne die Einstellungen unserer Leser zum Deutsch unserer Tage veröffentlichen würden. Brief oder Mail (wolfgang.hess@konradin.de) – beides ist willkommen.





