Noch vor gut 100 Jahren war Fleisch auf dem Teller bei uns eher rar. Meist gab es nur sonntags einen Braten, ansonsten vorwiegend Gemüse, Kartoffeln und ähnliches. Doch mit steigendem Einkommen und der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion haben sich bei uns und in den meisten wohlhabenden Ländern die Ernährungsgewohnheiten gewandelt. Fleisch und Fertiggerichte dominieren, Snacks und Süßigkeiten gehören zum Alltag. Doch das hat Folgen: “Der globale Übergang zu Diäten reich an verarbeiteten Lebensmitteln, raffinierten Zuckern, Fetten, Ölen und Fleisch hat dazu beigetragen, dass heute rund 2,1 Milliarden Menschen übergewichtig oder fettleibig sind”, erklären David Tilman und Michael Clark von der University of Minnesota in St. Paul. Und auf die Umwelt wirkt sich dies ebenfalls aus: Bereits heute sind Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion für ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Und der Trend droht ungebrochen weiterzugehen, denn mit steigendem Wohlstand beginnt sich auch in weiteren Ländern und Regionen die Ernährung zu ändern.
Ernährungs-Trends bis 2050 – und die Folgen
Was diese Entwicklung für die zukünftige Gesundheit und Umwelt bedeutet, haben Tilman und Clark in ihrer Studie näher untersucht. Dafür werteten sie die Entwicklung von Einkommen, Verstädterung und Ernährung in 100 Ländern aus und schlossen darauf auf die künftige Entwicklung, Gleichzeitig ermittelten sie die durchschnittlichen Treibhausgas-Emissionen für die Produktion von 88 gängigen Nahrungsmittelarten und werteten Studien zu den gesundheitlichen Folgen verschiedener Ernährungsweisen aus. Aus diesen Daten rechneten die Forscher hoch, wie sich vier verschiedene Ernährungsweisen bis 2050 auswirken werden: die typisch fleischreiche Diät der reichen westlichen Länder, eine mediterrane Ernährung mit wenig Fleisch und mehr Gemüse, eine vegetarische Diät und eine Kost mit Fisch statt Fleisch.
Die Auswertung der bisherigen Ernährungstrends ergab: Im Jahr 2009 hatten die 15 reichsten Länder der Erde – darunter auch Deutschland – einen um 750 Prozent höheren Pro-Kopf-Verbrauch von Fleischprotein als die 24 ärmsten Länder. “Die Nachfrage nach tierischen Proteinen steigt dabei mit steigendem Einkommen eines Landes, der Verbrauch von pflanzlichem Protein sinkt”, berichten die Forscher. Gleichzeitig steigt auch die Menge an “leeren” Kalorien – Brennwerten, die nicht benötigt werden und vor allem aus Alkohol und fett- oder zuckerhaltige Snacks und Getränken stammen. Im Durchschnitt machen sie bei uns rund 500 Kalorien täglich aus. Für das Jahr 2050 prognostizieren die Forscher eine Fortsetzung dieses Trends: Weil dann mehr Länder in die höheren Einkommensgruppen nachrücken, wird sich der globale Kalorienverbrauch pro Kopf um 15 Prozent erhöhen. Überproportional stark nimmt dabei der Bedarf an Fleisch, Eiern, Milchprodukten und “leeren” Kalorien zu, der von Gemüse und anderem pflanzlichem Protein nimmt dagegen ab.





